Risorgimento, «ohne dass er daran gedacht hätte»
Der 19. April 1836 war ein besonderer Tag für das kaiserlichkönigliche Knabenkonvikt in Mailand. In dem vom Adel bevorzugten der beiden humanistischen Gymnasien der Stadt wurde der Geburtstag des Wiener Kaisers mit großer Musik gefeiert. Graf Renato Borromeo hatte eigens eine Festkantate gedichtet. «Questo di gioia è dì» – «Dies ist ein Freudentag; er schenkte dem Besten der Regierenden den ersten Lebenshauch.
Oh vom Glück begünstigter Tag!» Am Ende stimmte auch der Chor ins Herrscherlob ein: «Accogli Augusto il cantico» – «Nimm, Erlauchter, den Lobgesang entgegen, ein Tribut der Liebe für Dich, ein Tribut, der sich dann zu Füßen des Allmächtigen verewigen wird.»
Im Unterschied zu dem, was nicht nur Italiener im Geschichtsunterricht lernen, hatten sich nach der Amnestie politischer Gefangener die Mailänder in ihrer großen Mehrheit mit der österreichischen Herrschaft arrangiert. Die Ergebenheitsgeste eines Angehörigen des vielleicht bedeutendsten lombardischen Adelsgeschlechtes ist nur einer von unzähligen Belegen dafür, dass Mailand nach 1830 alles andere war als ein politischer Unruheherd. Graf Andrea Maffei, einer der führenden Intellektuellen der Stadt, erinnerte sich 1871: «Was ...
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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Giuseppe Verdi, Seite 44
von Anselm Gerhard
Was heut gehet müde unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches geht in Nacht verloren –
Hüte dich, sei wach und munter.
Diese Verse aus Eichendorffs «Zwielicht», von Robert Schumann im «Liederkreis» op. 39 vertont, könnten auch die Problematik der alternden Sängerstimme beschreiben. Dietrich Fischer-Dieskau hat den Zyklus nach Gedichten von Eichendorff 1985...
Am Ende löst sich alles in jubelnde Freude auf: «Ach, keiner kann erahnen, / wie glücklich ich bin», singt Amina auf eine hinreißend schwungvolle Melodie zu pulsierender Orchesterbegleitung, die anderen stimmen ein – Aminas Ziehmutter Teresa, ihr Verlobter Elvino, der Conte Rodolfo und der Bauer Alessio sowie der Chor der Landleute. Das Finale von Vincenzo Bellinis...
Als Verdi nach der römischen Erstaufführung des «Falstaff» im April 1893 auf einem Bankett geehrt wurde, soll der Achtzigjährige mit kaum überhörbarem Understatement den Ehrentitel eines «musicista», eines «Komponisten», zurückgewiesen und sich bescheiden als «uomo di teatro», als «Mann des Theaters», bezeichnet haben. Diese Äußerung gehört zu den Strategien seiner...
