Requiem für Gilda
«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer verstörend genauen Inszenierung des «Rigoletto» mit der Entzifferung von dessen Geschichtlichkeit und was sie heute bedeuten kann, den entgegengesetzten Weg gegangen.
Die Dekonstruktion der sentimental harmonisierenden Erwartungshaltung befreit das Werk von aller vorschnellen Einfühlung ins tröstend Ewigmenschliche und legt ein härteres, unheimlicheres Stück frei – als wär’s ein Theater der Grausamkeit!
Wieler/Morabito beziehen sich dabei auf Vic-tor Hugo, der mit dem seinerzeit von der Zensur verbotenen Schauspiel «Le roi s’amuse» nicht nur die Vorlage zur Oper lieferte, sondern mit seiner Ästhetik des Charakteristischen, nämlich der Vermischung des «Erhabenen» mit dem «Grotesken», Verdis Theater entscheidend geprägt hat. Der Herzog von Mantua und sein buckliger Hofnarr Rigoletto sind nicht mehr, wie die Tradition es will, ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
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Um den Liedgesang braucht einem nicht bange zu sein, wenn, gleichsam aus dem diskografischen Nichts, zwei junge Sänger, der Schweizer Tenor Mauro Peter und der ladinische Bariton Andrè Schuen, nicht nur ein Versprechen auf die Zukunft abgeben, sondern es mit ihren Debüt-CDs gleich erfüllen. Dabei haben sie es sich mit der Wahl ihrer Programme nicht leicht gemacht...
Der dreiviertelstündige Einakter «The Cure» ist bereits das vierte Musiktheaterstück von Harrison Birtwistle, das beim traditionsreichen Sommerfestival in Aldeburgh an der englischen Ostküste uraufgeführt wurde. Den Anfang machte 1968 die Slapstick-Groteske «Punch and Judy», von der kolportiert wird, dass Festivalchef Benjamin Britten, schockiert über die...
