Requiem für Gilda
«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer verstörend genauen Inszenierung des «Rigoletto» mit der Entzifferung von dessen Geschichtlichkeit und was sie heute bedeuten kann, den entgegengesetzten Weg gegangen.
Die Dekonstruktion der sentimental harmonisierenden Erwartungshaltung befreit das Werk von aller vorschnellen Einfühlung ins tröstend Ewigmenschliche und legt ein härteres, unheimlicheres Stück frei – als wär’s ein Theater der Grausamkeit!
Wieler/Morabito beziehen sich dabei auf Vic-tor Hugo, der mit dem seinerzeit von der Zensur verbotenen Schauspiel «Le roi s’amuse» nicht nur die Vorlage zur Oper lieferte, sondern mit seiner Ästhetik des Charakteristischen, nämlich der Vermischung des «Erhabenen» mit dem «Grotesken», Verdis Theater entscheidend geprägt hat. Der Herzog von Mantua und sein buckliger Hofnarr Rigoletto sind nicht mehr, wie die Tradition es will, ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
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Im Beiheft zur Debüt-CD der ukrainischen Mezzosopranistin Lena Belkina erfahren wir nicht nur viel über Arien, die Rossini, Bellini und Donizetti für Isabella Colbran, Giuditta Grisi und Rosina Stoltz maßgefertigt haben, sondern auch über die Primadonnen-Oper zwischen 1815 und 1845. Seltsam aber, dass es keinerlei Information über die 1987 geborene Sängerin bietet,...
Siebzehn Operninszenierungen, acht Ballettproduktionen. Haben sich die Schleusen des Subventionshimmels geöffnet? Hat sich das Teatro alla Scala in ein Repertoiretheater verwandelt, ist sovrintendente Alexander Pereira die Quadratur des Zirkels gelungen? Anlässlich der Expo 2015 hat die Politik für ihr Kulturschmuckkästchen tiefer in die Tasche gegriffen, man will...
