Requiem für Gilda
«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer verstörend genauen Inszenierung des «Rigoletto» mit der Entzifferung von dessen Geschichtlichkeit und was sie heute bedeuten kann, den entgegengesetzten Weg gegangen.
Die Dekonstruktion der sentimental harmonisierenden Erwartungshaltung befreit das Werk von aller vorschnellen Einfühlung ins tröstend Ewigmenschliche und legt ein härteres, unheimlicheres Stück frei – als wär’s ein Theater der Grausamkeit!
Wieler/Morabito beziehen sich dabei auf Vic-tor Hugo, der mit dem seinerzeit von der Zensur verbotenen Schauspiel «Le roi s’amuse» nicht nur die Vorlage zur Oper lieferte, sondern mit seiner Ästhetik des Charakteristischen, nämlich der Vermischung des «Erhabenen» mit dem «Grotesken», Verdis Theater entscheidend geprägt hat. Der Herzog von Mantua und sein buckliger Hofnarr Rigoletto sind nicht mehr, wie die Tradition es will, ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Uwe Schweikert
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Vor genau 2000 Jahren überquerte der römische Feldherr Germanicus mit vier Legionen den Rhein, um im Kampf gegen die von Arminius geführten Germanen die Katastrophe der Varusschlacht auszubügeln – für das nahe dem Schlachtort gelegene Theater Osnabrück der Anlass, Georg Philipp Telemanns Oper «Germanicus» auf den Spielplan zu setzen. Das Stück des als...
Die 1984 gegründete Berliner Lautten Compagney hat sich international besonders mit Opern von Georg Friedrich Händel einen Namen gemacht. Bei einer Produktion des frühen Londoner Erfolgsstücks «Rinaldo» (1711) arbeitete sie zum ersten Mal mit dem italienischen Marionettentheater Carlo Colli & Figli zusammen, das auf eine Tradition von 200 Jahren zurückblicken kann...
