Rausch der Leidenschaft
Unter den zahllosen berühmten Arien aus Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien ist sie vielleicht die berühmteste; fast jede Gesangsstudentin und jeder Counter mit Sopranstimme hat die Noten von «Ombra mai fu» irgendwann während ihrer (respektive seiner) Ausbildung auf dem Pult gehabt – einmal, weil dieses zauberhaft-versonnene Schattenstück aus Händels «Serse» (der seine umjubelte Uraufführung am 15.
April 1738 im Londoner King’s Theatre erlebte) wirklich zu den schönsten und berührendsten Solonummern aus der Feder des Komponisten zählt, aber auch, weil man in und mit diesem Stück zeigen kann, zu welchen Höhenflügen des Lamentos man fähig ist. Nicht zufällig steht «Ombra ma fui» bei Gesangswettbewerben häufig auf dem Programm. Wenige Takte genügen, um zu hören, was möglich ist, wie weit das Echolot in die Tiefe reicht …
Arianna Vendittelli singt die Arie in dem vorliegenden Live-Mitschnitt einer szenischen Aufführung vom März 2019 (im Teatro Municipale Romolo Valli Reggio Emilia) wohltuend lyrisch-inniglich, mit sehr gut atmenden Linien und einer weichen, gerundeten, zugleich kernigen Stimme. Ein Höhepunkt gleich zu Beginn des Albums, und beileibe nicht der letzte. Denn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 42
von Jürgen Otten
Gefiel nicht», ist auf dem Theaterzettel der Mannheimer Erstaufführung von Mozarts «Così fan tutte» vom 12. Mai 1793 vermerkt. Mozarts gewagteste Oper wurde von den Zeitgenossen in moralische Sippenhaft genommen für ein frivoles Libretto, bei dem, so Paolo Mezzacapo de Cenzo, «nichts durch die Blume, sondern alles durchs Geschlecht gesagt» ist. Selbst als die...
Sind Sie bei Konflikten immer direkt emotional involviert? Oder haben Sie die Fähigkeit, so schnell wie möglich Abstand zu nehmen, um sich an nüchterner Reflexion zu versuchen? Auf die Bayreuther Festspiele 2022 bezogen: Hätten Sie sich in den traditionell jeweils einstündigen Pausen der neuen «Ring»-Produktion still meditierend im angrenzenden Grünen zur inneren...
Fangen wir mit dem Nachspiel an. Und das bedeutet einen Blick zurück. Es war Heiner Müller, der «Tristan» 1993 in Bayreuth aus postdramatischer Distanz betrachtet hat. Ihm gelang, woran nun Roland Schwab schönheitstrunken vorbeimarschiert: Zustände statt Umstände zu inszenieren. Zum Widerstand und Wohle der Musik. Dabei fiel ihm auf, dass sein «Quartett» nach...
