Rampentheater, auseinandergezogen

München: Bayerische Staatsoper: Beethoven: Fidelio

Dem Feind Säure ins Gesicht geschüttet, den Gatten befreit, «namenlose Freude» besungen – doch da gibt es noch vier weitere Gefangene. Aufgeteilt auf drei Käfige schweben sie vom Schnürboden. Vier Herren im Frack sind das, Streicher des Bayerischen Staatsorchesters, die Partiturfremdes spielen: das Adagio aus Beethovens Quartett op. 132. Jenen «Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit», der berührt, innehalten lässt, den Augenblick viel besser kommentiert und überhöht als manch plakativ gestaltete «Leonoren»-Ouvertüre. Ein Moment, der den enttäuschenden Abend (fast) rettet.



«Fidelio» einmal nicht als Fascho-Drama, das ist – nach all den erschöpfend inszenierten Diktatur-Variationen – eine grundsätzlich sympathische Entscheidung. Ebenso die Eliminierung vieler Holperdialoge zugunsten überraschend passender Texte von Jorge Luis Borges. Regisseur Calixto Bieito zielte bei seinem späten Debüt an der Bayerischen Staatsoper auf anderes: auf die Freilegung des individuellen Konfliktfeldes, in dem sich Leonore und Florestan bewegen. Folgerichtig ließ er sich von Rebecca Ringst eine monumental aufragende Labyrinthkonstruktion bauen, durch die das Personal in zuweilen lähmender ...

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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel

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