Qualverwandtschaften

Tilmann Köhler zeigt Händels «Xerxes» in Frankfurt als turbulentes Vergnügen um ver(w)irrte Gefühle, Constantinos Carydis dirigiert mit der Drahtbürste

Im Anfang ist, jedenfalls an diesem pittoresk-privaten Ort, der Wunsch nach Liebe. Sechs Personen suchen sie wie andere einen Autor, die siebte mimt den Hermes. Die Paarungen sind übersichtlich. Hier ein Diener und eine Prinzessin; dort das (wahlverwandtschaftliche) Quartett aus Leichtlebigkeit, Reichtum, Dekadenz, bestehend aus zwei Schwestern und zwei Brüdern. Höhere Gesellschaft, Jeunesse dorée. Eigentlich also könnte die causa amoris flugs verhandelt werden. Weil aber Eros die Pfeile vertauscht respektive fehlleitet, kommt es zu argen Verwicklungen.

Doch dem Reigen nach: Subjekte der Begierden sind Romilda und Arsamene. Sie liebt ihn (wie er sie), erweckt aber auch in König Xerxes heftigste Gefühle, was Atalanta, die unsterblich in Arsamene verliebt ist, für ihre Zwecke nutzen möchte, wofür Amastre, die Prinzessin, überhaupt kein Verständnis hat, da sie Xerxes versprochen ward. Da hilft kein Disputieren, keine platonische Vernunft, da hilft im Grunde gar nichts. Die Affekte purzeln aufeinander, durcheinander, ineinander, drei Stunden fünfzehn Minuten lang, eine Pause inklusive.

Das Sujet, samt seiner Musik weiland an der Themse rechtschaffen durchgefallen und in Frankfurt a. ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten