Psychologie der Töne
Salustia liebt ohne Berechnung, ohne Überspanntheit, ohne Egoismus. Sie ruht in sich und wächst mit den Herausforderungen des Schicksals. Sie erkennt, wie schwer es ist, im Umfeld der politischen Intrigen des römischen Kaiserreiches integer zu bleiben oder einfach nur ein guter Mensch. Dabei ist sie nicht devot oder eine Heilige, auch sie kennt die Versuchung, Rache zu üben. Aber sie widersteht und lässt den ehrwilligen Vater, den schwachen Gatten, ja sogar die rasend herrschsüchtige Schwiegermutter langsam an ihrem jeweiligen Weltbild zweifeln.
Während ihre Opernschwester Griselda eine reine Märtyrerin ist, bleibt Salustia in jeder Phase völlig glaubwürdig. Kurzum: Sie ist einer der wenigen wirklich großen Operncharaktere des Barock. Umso erstaunlicher ist es, dass ein nach ihr benanntes Ausnahmewerk bisher unentdeckt blieb.
Giovanni Battista Pergolesi ist uns heute trotz aller geschichtlichen Mystifizierungen eigentlich nur durch sein «Stabat Mater» und «La serva padrona» bekannt, viele Werke wurden ihm fälschlich zugeschrieben. Die Aufführung seines grandiosen Erstwerks war an makabren Umständen gescheitert. Apostolo Zenos Libretto «Alessandro severo» war 1731 für den berühmten ...
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Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur...
Das Gefühl, dass früher alles besser war, entspringt in der Regel eher dem Unbehagen an der unübersichtlichen Gegenwart oder dem Willen zu nostalgischer Verklärung als überprüfbaren Fakten. Vergleicht man das Niveau des Wagner-Gesangs heute mit dem der Vorkriegs- und ersten Nachkriegsjahrzehnte, kann man gleichwohl ins Grübeln kommen. Der Daland, Landgraf oder...
Später Triumph für Giovanni Carestini: Nachdem schon vor wenigen Monaten der französische Countertenor Philippe Jaroussky sein neues Album dem Vielseitigsten unter den großen Kastraten gewidmet hatte, zollt nun auch Vesselina Kasarova dem Uraufführungsinterpreten zahlloser Barockopern ihren Tribut. Im Gegensatz zu Jarousskys Porträtalbum, das die stimmliche und...
