Psychologie der Töne
Salustia liebt ohne Berechnung, ohne Überspanntheit, ohne Egoismus. Sie ruht in sich und wächst mit den Herausforderungen des Schicksals. Sie erkennt, wie schwer es ist, im Umfeld der politischen Intrigen des römischen Kaiserreiches integer zu bleiben oder einfach nur ein guter Mensch. Dabei ist sie nicht devot oder eine Heilige, auch sie kennt die Versuchung, Rache zu üben. Aber sie widersteht und lässt den ehrwilligen Vater, den schwachen Gatten, ja sogar die rasend herrschsüchtige Schwiegermutter langsam an ihrem jeweiligen Weltbild zweifeln.
Während ihre Opernschwester Griselda eine reine Märtyrerin ist, bleibt Salustia in jeder Phase völlig glaubwürdig. Kurzum: Sie ist einer der wenigen wirklich großen Operncharaktere des Barock. Umso erstaunlicher ist es, dass ein nach ihr benanntes Ausnahmewerk bisher unentdeckt blieb.
Giovanni Battista Pergolesi ist uns heute trotz aller geschichtlichen Mystifizierungen eigentlich nur durch sein «Stabat Mater» und «La serva padrona» bekannt, viele Werke wurden ihm fälschlich zugeschrieben. Die Aufführung seines grandiosen Erstwerks war an makabren Umständen gescheitert. Apostolo Zenos Libretto «Alessandro severo» war 1731 für den berühmten ...
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leich beim ersten Mal sollte es die ganz große Nummer werden. Und (fast) alle spielten mit, um die Neue ins gleißende, sprich: geldwerte Licht des Salzburger Promi-Himmels zu rücken. Der Hintergrund: Man brauchte dringend attraktiven Ersatz für Anna Netrebko. Schließlich war Gounods Shakespeare-Oper «Roméo et Juliette» eigens für das singende «Traumpaar»...
Als Benjamin Brittens «Billy Budd» 1951 zum ersten Mal über die Bühne ging, wurde das Stück als eine bedrückende Studie über die zerstörerische Wirkung von Gewalt empfunden. Heute, da Machttypen wie der teuflische Schiffsprofos John Claggart nach wie vor unermessliches Leid anrichten, während die Welt zuschaut, ist der Stoff der Oper unverändert aktuell. Und diese...
Wenn Don Giovanni etwas Luziferisches hat, wenn er jenes weiß glühende Feuer verbreitet, an dem man sich nur verbrennen kann, so hat Elke Neidhardt diesen Charakterzug in ihrer Inszenierung von Mozarts Meisterwerk an der Oper in Sydney genau getroffen. Besonders das Finale (ohne das atavistische, moralintriefende Sextett) beeindruckt: In der Spitze des sich nach...
