Prüfung mit Strauss
«Selbstverantwortlich» sei sie, «mutig» und «ein wenig versehrt von Zynismus und Resignation», so analysiert Hugo von Hofmannsthal seine Titelheldin. Außerdem habe Arabella «zu tief in gewisse Lebensdinge hineingesehen». Je länger man Juliane Banse auf der Innsbrucker Bühne betrachtet, desto größer wird die Gewissheit: Zumindest der Textdichter habe in ihr seine Wunschmaid erkannt.
Und Richard Strauss?
Der hätte womöglich darüber gestaunt, wie viel Mühe die Arabella-Partie bereitet und wie schwer es sein kann, die Stimme in heiklen Lagen frei, glanzvoll und ungestaut fluten zu lassen. Auch davon kündet dieses Debüt am Tiroler Landestheater. Wie schon bei Tschaikowskys Tatjana wählte Juliane Banse das 800-Plätze-Haus, um sich – ermutigt und beschützt von ihrer Mentorin Brigitte Fassbaender – zu erproben.
Die Ilia- und Pamina-Zeiten liegen endgültig hinter ihr. Doch auf dem Weg zu dramatischeren Aufgaben wurde die Hürde Arabella (noch) nicht überwunden. Gewiss: Wer mit solcher Ausstrahlung gesegnet ist, wer jungmädchenhafte Sorglosigkeit mit wissender Reife verbinden und damit quasi Sophie und Marschallin des «Rosen-
kavalier» in einer Person verkörpern kann, der liegt dicht an der ...
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