Prüfung mit Strauss
«Selbstverantwortlich» sei sie, «mutig» und «ein wenig versehrt von Zynismus und Resignation», so analysiert Hugo von Hofmannsthal seine Titelheldin. Außerdem habe Arabella «zu tief in gewisse Lebensdinge hineingesehen». Je länger man Juliane Banse auf der Innsbrucker Bühne betrachtet, desto größer wird die Gewissheit: Zumindest der Textdichter habe in ihr seine Wunschmaid erkannt.
Und Richard Strauss?
Der hätte womöglich darüber gestaunt, wie viel Mühe die Arabella-Partie bereitet und wie schwer es sein kann, die Stimme in heiklen Lagen frei, glanzvoll und ungestaut fluten zu lassen. Auch davon kündet dieses Debüt am Tiroler Landestheater. Wie schon bei Tschaikowskys Tatjana wählte Juliane Banse das 800-Plätze-Haus, um sich – ermutigt und beschützt von ihrer Mentorin Brigitte Fassbaender – zu erproben.
Die Ilia- und Pamina-Zeiten liegen endgültig hinter ihr. Doch auf dem Weg zu dramatischeren Aufgaben wurde die Hürde Arabella (noch) nicht überwunden. Gewiss: Wer mit solcher Ausstrahlung gesegnet ist, wer jungmädchenhafte Sorglosigkeit mit wissender Reife verbinden und damit quasi Sophie und Marschallin des «Rosen-
kavalier» in einer Person verkörpern kann, der liegt dicht an der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Jurinac, Sie rauchen?
Ja. Erich Kunz hat mich zwar einmal so lange gepiesackt, bis ich g’sagt hab: «Also gut, ich höre auf!» Ich hab dann zehn Jahre nicht geraucht, während der Erich nach drei Tagen sofort angefangen hat. Dann hab ich auch wieder begonnen. So a bissele. Julius Patzak hat nach jeder Arie von der Bühne weg geraucht. «Jussi, du rauchst?», war...
Müßig zu spekulieren, wie sich Händels Schaffen entwickelt hätte, wenn er nach dem Erfolg seiner «Agrippina» in Italien geblieben wäre. Eines allerdings ist sicher: So bissige Töne wie in der 1709 entstandenen Komödie über den Cäsarenhof erlaubte er sich später niemals wieder – schon allein, weil sich in seiner neuen britischen Heimat alles verbot, was als Angriff...
Der Kunst gilt’s – aber einer neuen, jungen Kunst. Freiheit und Aufbruch heißen die Schlagwörter. Reglementierte Traditionen haben ausgedient. Und diese Traditionen machen diejenigen, die an ihnen festhalten, zu einsamen Menschen, die schließlich an ihren eigenen Prinzipien (ver)zweifeln. So könnte der Tenor der aktuellen Neuproduktionen der «Meistersinger» in...
