Dramaturgischer Leerlauf

Ponchielli: La Gioconda
Brüssel | La Monnaie

Das Stück wird selten gespielt. An Amilcare Ponchiellis süffiger Partitur mit dankbaren, herausfordernden Gesangspartien, imposanten Chor-Tableaus und dem Wunschkonzert-Hit «Tanz der Stunden» kann es nicht liegen. Eher wohl an dem haarsträubenden Plot von «La Gioconda». Im schnellen Takt reiht sich da eine reißerische Krimi-Szene an die nächste: Hexenwahn, Lynchjustiz, geifernde Eifersucht, Scheintod, Erpressung, Selbstmord – kaum etwas wird ausgelassen. Ein Albtraum für Dramaturgen. Deshalb steht die «Gioconda» in Bonn zum Beispiel derzeit nur konzertant auf dem Spielplan.

An der Monnaie-Oper hat sich nun Olivier Py auf die Oper nach einem Stoff Victor Hugos (Libretto: Arrigo Boito) eingelassen.

Wie so oft, wenn Py und sein Dauerausstatter Pierre-André Weitz tätig werden, ist alles in einem Schwarz-Grau-Weiss gehalten, der üppige Strass-Besatz der Kostüme und viel Swarovski-Schmuck bilden einen gewollten Kontrast zum brutalistisch-öden, neonbeleuchteten Bühnenraum – etwas zwischen Tunnel, Parkhaus und Bunker. Nach Bedarf werden Etagen und Balkone hereingefahren, tun sich leere weiße Gemächer auf, am Boden steht knöcheltief brackiges Wasser, das, entsprechend beleuchtet, auf die ...

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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller