Kindstod im Zeittunnel: Ermonela Jaho (Suor Angelica); Foto: Theater/Wilfried Hösl
Pointillismus in Tönen
Zweimal an diesem Abend beginnt sich der Tunnel spektakulär zu drehen: am Ende von «Il tabarro», wenn der getötete Nebenbuhler wie am Fleischerhaken rotiert, und am Schluss von «Suor Angelica», wenn die Titelheldin ihr totes Kind pathosaffin im Himmel kreisen sieht. Nur in «Gianni Schicchi» hängt, welche Ironie, der Tote schon friedlich von der Decke, auf dass die Lebenden sich mit List seines Besitzes bemächtigen.
Dabei kann man Lotte de Beer nicht nachsagen, dass sie es auf das Spektakuläre angelegt habe in ihrer ersten Inszenierung für die Bayerische Staatsoper: Der nach hinten offene, manchmal von Nebel umwaberte Tunnel (Bühne: Bernhard Hammer) bildet den gemeinsamen Raum für alle Stücke von Giacomo Puccinis «Il trittico». In den Kostümen (Jorine van Beek) belässt es die Inszenierung bei den Handlungszeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, am Ende des 17. und Anno Domini 1299. Puccini knüpft seine Musik so detailbesessen an konkrete Vorgänge, dass ihm Regisseure selten wirklich gerecht werden. De Beer beugt sich dem bewusst, wie sie im Programmheft sagt, und schafft doch regiestilistisch feine Unterschiede zwischen den Opern, deren Einheit immer wieder bezweifelt wird und die im ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Stallknecht
Mit einer Doppel-CD erinnert das Label Musique en Wallonie an den 1868 in Liège geborenen Bassisten Pierre d’Assy. Nach Stationen in Lyon, Den Haag und Brüssel (1898-1907) wurde er für zwei Jahre an die Pariser Opéra verpflichtet, wo er sich allerdings hauptsächlich mit Nebenrollen zufriedengeben musste. 1909 wechselte er nach Lyon und starb dort im März 1910 an...
Kaum hörbar, vom Blech beinahe verblasen, spielt die Harfe im vorletzten Takt der «Lulu» dreimal das Intervall H-F. Ein musikalisches Vexierbild, für Alban Bergs Ehefrau Helene indes kaum rätselhaft: H(anna) F(uchs-Robbetin), Franz Werfels Schwester, war ab 1925 Ziel einer sich verzehrenden Liebe ihres Mannes. Und wohl auch Vorbild für Albans Sichtweise auf Lulu....
Wer über kompendiöse Operettenkenntnisse verfügt, etwa der emeritierte Germanist Volker Klotz, könnte ein «Repertoire» von Hunderten spielbarer Werke dieses Genres zusammenstellen. In der gegenwärtigen Theaterpraxis figurieren jedoch nur noch eine Handvoll «klassischer» Operetten; und sie müssen sich den ohnedies kaum üppigen Anteil unterhaltsamen Musiktheaters in...
