Pfirsichbaum in Safran

Hanna-Elisabeth Müller und Juliane Ruf erkunden in Liedern von Schumann, Zemlinsky und Poulenc die Welt der Melancholie

Ach, wie ist die Welt so trist: «Die Weiden lassen matt die Zweige hängen, / Und traurig ziehn die Wasser hin: /Sie schaute starr hinab mit bleichen Wangen, / Die unglückselige Träumerin.» Titus Ulrichs trübsinnige Verse unter dem Titel «Herzeleid» regten Robert Schumann zu einem seiner schönsten Lamenti an. Auf dem zweiten Album von Hanna-Elisabeth Müller und ihrer Liedbegleiterin Juliane Ruf markiert dieses Stück den Auftakt zu einer Reise durch die Welt der poetischen Empfindungen.

Zart und zugleich fahl klingt die Lineatur von Stimme und Klavier, wie hinter Schleiern aufgezogen, unaufdringlich-eindrücklich, und so auch gesungen, gespielt, ja gleichsam ertastet.

Bereits in ihrer Aufnahme mit Liedern von Strauss, Schönberg und Berg («Traumgekrönt») hatte sich das blendend harmonierende Gespann Müller/Ruf, dem Repertoire angemessen, für größtmögliche Dezenz entschieden, für eine leise, innnige, dabei aber klar deklamierte Zurückhaltung selbst in jenen Passagen, wo man den vitalen Aufschwung vermuten würde. Diese Kultur der sanften, bedächtig-sublimen Töne findet sich auch in den Liedern von Schumann, Zemlinsky und Poulenc wieder, wobei auffällt, dass die Stimme der Sopranistin ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Jürgen Otten