Pfirsichbaum in Safran
Ach, wie ist die Welt so trist: «Die Weiden lassen matt die Zweige hängen, / Und traurig ziehn die Wasser hin: /Sie schaute starr hinab mit bleichen Wangen, / Die unglückselige Träumerin.» Titus Ulrichs trübsinnige Verse unter dem Titel «Herzeleid» regten Robert Schumann zu einem seiner schönsten Lamenti an. Auf dem zweiten Album von Hanna-Elisabeth Müller und ihrer Liedbegleiterin Juliane Ruf markiert dieses Stück den Auftakt zu einer Reise durch die Welt der poetischen Empfindungen.
Zart und zugleich fahl klingt die Lineatur von Stimme und Klavier, wie hinter Schleiern aufgezogen, unaufdringlich-eindrücklich, und so auch gesungen, gespielt, ja gleichsam ertastet.
Bereits in ihrer Aufnahme mit Liedern von Strauss, Schönberg und Berg («Traumgekrönt») hatte sich das blendend harmonierende Gespann Müller/Ruf, dem Repertoire angemessen, für größtmögliche Dezenz entschieden, für eine leise, innnige, dabei aber klar deklamierte Zurückhaltung selbst in jenen Passagen, wo man den vitalen Aufschwung vermuten würde. Diese Kultur der sanften, bedächtig-sublimen Töne findet sich auch in den Liedern von Schumann, Zemlinsky und Poulenc wieder, wobei auffällt, dass die Stimme der Sopranistin ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Jürgen Otten
Als Tatjana Gürbaca vor zweieinhalb Jahren im Theater an der Wien Richard Wagners «Ring» dekonstruierte und die Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven vom Ende her in Rückblenden erzählte, konnte sie auf die einende Kraft der Wagner’schen Leitmotive und ein identisches Kern-Personal setzen. Das Ergebnis war verblüffend schlüssig, es bot interessante...
Als sie anfing, war sie nicht einfach nur eine neue, unerhörte Stimme, sondern ein ganz neuer Typ Sängerin. Ein Wunderkind zunächst – ausgebildet, gefördert und stets begleitet von seinem Großvater –, das vom Berliner Schlager bis zum Koloraturfeuerwerk der Königin der Nacht alles konnte, was man von ihm verlangte. Anja Silja lernte das Singen in einem Alter, in...
Christoph Schlingensief hatte einen Traum. Einen durch und durch romantischen Traum. Er träumte von einem Ort weit abseits der etablierten Musentempel, an dem die Kunst wieder zu sich selbst kommen würde, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft, von Zwängen befreit, künstlerisch arbeiten und einen postkolonialen Diskurs führen könnten. In diesem Traum kam das...
