Pfirsichbaum in Safran
Ach, wie ist die Welt so trist: «Die Weiden lassen matt die Zweige hängen, / Und traurig ziehn die Wasser hin: /Sie schaute starr hinab mit bleichen Wangen, / Die unglückselige Träumerin.» Titus Ulrichs trübsinnige Verse unter dem Titel «Herzeleid» regten Robert Schumann zu einem seiner schönsten Lamenti an. Auf dem zweiten Album von Hanna-Elisabeth Müller und ihrer Liedbegleiterin Juliane Ruf markiert dieses Stück den Auftakt zu einer Reise durch die Welt der poetischen Empfindungen.
Zart und zugleich fahl klingt die Lineatur von Stimme und Klavier, wie hinter Schleiern aufgezogen, unaufdringlich-eindrücklich, und so auch gesungen, gespielt, ja gleichsam ertastet.
Bereits in ihrer Aufnahme mit Liedern von Strauss, Schönberg und Berg («Traumgekrönt») hatte sich das blendend harmonierende Gespann Müller/Ruf, dem Repertoire angemessen, für größtmögliche Dezenz entschieden, für eine leise, innnige, dabei aber klar deklamierte Zurückhaltung selbst in jenen Passagen, wo man den vitalen Aufschwung vermuten würde. Diese Kultur der sanften, bedächtig-sublimen Töne findet sich auch in den Liedern von Schumann, Zemlinsky und Poulenc wieder, wobei auffällt, dass die Stimme der Sopranistin ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Jürgen Otten
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Für eine bedeutende gesellschaftliche Schicht des ehemaligen k.u.k-Reichs lag nach 1918 nicht nur die Welt, sondern ihre Existenz ganz allgemein in Trümmern. Österreich war zu einem Rumpfstaat geworden, die Geldbeutel waren leer, die Ausrufung der Republik, das Aufstreben der Linken und die manifeste Emanzipation der Frauen hatten zu einer gesellschaftlichen...
Der Herr ist unsichtbar. Aber man kann ihn hören. Ihn und seinen in g-Moll gefassten Ingrimm. Denn Gott ist außer sich vor Zorn. Und lässt nun diesem freien apokalyptischen Lauf. Während auf Dirk Beckers unwirtlicher Bühne, die im Verlauf des Abends aus schlichtweißen Resopaltischen immer wieder raffinierte Konstellationen kreiert (Laufsteg, Küche, Verhörraum,...
