Penthesileas Schwester

Meisterhaft neu interpretiert: Glucks «Armide» am Staatstheater Mainz, von Lydia Steier inszeniert, von Clemens Schuldt dirigiert, mit Nadja Stefanoff in der Titelpartie

Auf schwarzer, leerer Bühne eine hohe Frauengestalt im Profil, scharf angeleuchtet im Seitenlicht.  Von Beginn an exponiert die Regisseurin Lydia Steier ihre Armide in Mainz als Außenseiterin, als menschlichen Solitär. Gut für sie (?), wenn sie in ihrer Anfangshaltung verharren könnte: als eine menschliche Versteinerung, als gefühlloses Monster, unberührt und unberührbar. Doch dann kommt die Liebe über sie, und es ist um ihre weibliche Herrischkeit geschehen.

Zuvor betrachtet sie noch, zu den Siegern gehörig, voll kalter Neugier die in einem Käfigwagen vorgeführten Kriegsgefangenen, lässt einige herausholen wie zu einem kätzischen Spiel, stößt sie bald verächtlich wieder zurück in ihr Gefängnis. Bis sie dann auf den Krieger Renaud trifft, dessen lässige, kampferprobte  Männlichkeit sie anzieht und nicht mehr loslässt. Loslassen wird am Opernende er – natürlich locken ihn Ruhm und Ehre in der Kriegskunst mehr als eine erotische Dauerbindung. Zurück bleibt Armide; die Inszenatorin stellt sie schließlich in denselben Schandkarren, in dem anfangs die unglücklichen Krieger auf die Bühne kamen. Immerhin gibt es einen veritabel duettistischen Opernabschied; Armide und Renaud trennen sich ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Hans-Klaus Jungheinrich