Man muss berührt werden

Der Kanon der aufgeführten Bühnenwerke ist überschaubar. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Opernhäuser fürchten, ihr Publikum zu verschrecken, wenn sie Experimentelles wagen. Aber liegt die Zukunft womöglich eben darin, das Ungewohnte, Unerhörte zu versuchen und die ständige Wiederholung des Immergleichen zu vermeiden? Darüber diskutierten im Rahmen der zweiten «Opernwelt-Dialoge» im Deutschen Nationaltheater Weimar Lydia Steier, Moritz Eggert, Hellmut Seemann und Hans Georg Wegner

Frau Steier, stellen Sie sich für einen Moment vor, Sie wären Intendantin eines Opernhauses. Wie sähe Ihr Spielplan aus?
LYDIA STEIER:
Ganz einfach: In meinem Spielplan würde ich die «klassische» Oper, wie wir sie kennen, mit Projekten verknüpfen, die auf unkonventionelle Art und Weise mit klassischer Musik umgehen. Seit Jahrzehnten präsentieren wir Oper vornehmlich im weitesten Sinne traditionell – in ihrer Totalität, in überschaubaren Interpretationen.

Das ist für Menschen, die einen perfekt musizierten Abend sehen wollen, in zunehmendem Maße ebenso wenig beglückend wie für diejenigen, die sich eher für innovative musiktheatrale Projekte interessieren. An dieser Konvention würde ich sehr gerne rütteln. In meinem imaginären Opernhaus gäbe es pro Saison fünf Premieren. Zwei Produktionen wären der «klassischen» Oper vorbehalten, sie würden sich im besten Fall durch eine kraftvolle inszenatorische Sprache auszeichnen; die weiteren drei bestünden aus einem total freakigen Projekt, einer Mischform zwischen klassisch und freakig sowie einem amüsant-unterhaltenden Stück. In erster Linie wichtig fände ich es, Künstlern aus anderen Disziplinen die Gelegenheit zu geben, neue Formen und ...

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Opernwelt August 2019
Rubrik: OW-Dialoge, Seite 48
von Jürgen Otten