Oper spielen, um «normal» sein zu können

Ein Interview mit Hanna Munitz, Intendantin der Israeli Opera

Frau Munitz, «A Journey to the End of the Millennium», das von Ihnen initiierte Auftragswerk zum zwanzigjährigen Bestehen der ­Israeli Opera, bezieht seinen dramatischen Impetus aus unterschiedlichen kulturell-religiösen Haltungen abend- und morgendländischer Juden, Ashkenasen und Sepharden, einem der grundlegenden Konflikte des Judentums.
Nicht nur der Konflikt, auch die Erinnerung an integrative Momente ist wesentlich. Die Handlung spielt ja um die erste Jahrtausendwende westlicher Zeitzählung.

Damals gab es in Nordafrika, im Maghreb, eine blühende ­jüdische Gemeinde, die mit den arabischen Muslimen in bestem Verhältnis lebte, geschäftlich und privat. Mit ihnen teilten die Sepharden jene wundervolle Poesie, die mit dem Namen «Goldenes Zeitalter Spaniens» verbunden ist.

Die Andeutung dieser künstlerisch so gran­diosen Tradition ist wohl auch ein Seitenhieb des aus einer sephardischen Familie stammenden Dichters und Librettisten A. B. Yehoshua auf die Überheblichkeit der Ashkenasen und einer abendländischen Kultur, die sich zu jener Zeit ja eher durch Striktheit, ja Engstirnigkeit auszeichnete.
Die kleinen jüdischen Gemeinden in Zentral­europa waren hinsichtlich ihrer Religiosität ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Honegger: Johanna auf dem Scheiterhaufen

«Johanna auf dem Scheiterhaufen», das Oratorium des katholischen Mystikers Paul Claudel, dem der Kalvinist Arthur Honegger eine musikalische Dimension hinzufügte, die er selbst nur als Dienerin der Poesie verstanden wissen wollte, ist immer wieder auch auf der Opernbühne zu sehen. Die lockere, fast filmische Szenenfolge und das vielfältige Personal reizen...

Im Labyrinth der Gefühle

Von einem «Labyrinth der Gefühle» ist die Rede im ­Programmheft zu «Turandot», der letzten Opern­produk­tion des Pfalztheaters in der ausgelaufenen Spielzeit. Eine Deutung, die vermutlich auch als Schlüsselgedanke zu Urs Häberlis Inszenierung des Werks oder zumindest zu Thomas Dörflers Bühnenbild verstanden werden darf. Dessen Hauptelement bildet eine abstrakte...

Jagdgründe der Avantgarde

Dem emphatischen Fortschrittsglauben, den die an Arnold Schönberg und der Zweiten Wiener Schule orientierte musikalische Moderne lange zelebrierte, der Theorie einer kontinuierlichen, gleichsam naturgesetzlichen Fortentwicklung des Materials ist Hans Zender stets mit wacher Skepsis entgegengetreten. Besonders das serialistische Primat integra­tiver, in sich...