Onore e patria
Zweimal in seinem Leben soll Gioacchino Rossini dem Vernehmen nach geweint haben: einmal, als er Paganini spielen hörte, und dann, als ihm bei einer Bootsfahrt ein mit Piemonteser Trüffeln gefüllter Truthahn ins Wasser fiel. Se non è vero, è ben trovato. Dazu passt, dass Beethoven seinem italienischen Kollegen den Rat gab, doch bitteschön nur das komische Genre zu bedienen – ansonsten täte er seinem Schicksal Gewalt an. René Jacobs erinnert uns daran im Programmheft der Aufführung des melodramma eroico «Tancredi» (Venedig 1813) im Theater an der Wien.
Rossini soll über dieses Urteil sein Leben lang deprimiert gewesen sein.
Tragik passiert in «Tancredi» nicht auf markig heroische Art, wie sie Beethoven vielleicht vorschwebte. «Glauben Sie, ich hätte unter dieser Sonne, unter diesem Himmel den ‹Tristan› schreiben können?», fragte Giuseppe Verdi einmal. Rossini hätte das vermutlich ähnlich formuliert. «Tancredi» lässt uns einen Pfad entlangwandeln, auf dem uns die unterschiedlichsten Charaktere begegnen – Gute, Böse, Naive und Durchtriebene, Helden und Feiglinge – aber eben nicht in düsterem Nebel, sondern in mediterraner Helle, in der Dur-Tonarten dominieren. Der Komponist hat hier ...
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