Onore e patria
Zweimal in seinem Leben soll Gioacchino Rossini dem Vernehmen nach geweint haben: einmal, als er Paganini spielen hörte, und dann, als ihm bei einer Bootsfahrt ein mit Piemonteser Trüffeln gefüllter Truthahn ins Wasser fiel. Se non è vero, è ben trovato. Dazu passt, dass Beethoven seinem italienischen Kollegen den Rat gab, doch bitteschön nur das komische Genre zu bedienen – ansonsten täte er seinem Schicksal Gewalt an. René Jacobs erinnert uns daran im Programmheft der Aufführung des melodramma eroico «Tancredi» (Venedig 1813) im Theater an der Wien.
Rossini soll über dieses Urteil sein Leben lang deprimiert gewesen sein.
Tragik passiert in «Tancredi» nicht auf markig heroische Art, wie sie Beethoven vielleicht vorschwebte. «Glauben Sie, ich hätte unter dieser Sonne, unter diesem Himmel den ‹Tristan› schreiben können?», fragte Giuseppe Verdi einmal. Rossini hätte das vermutlich ähnlich formuliert. «Tancredi» lässt uns einen Pfad entlangwandeln, auf dem uns die unterschiedlichsten Charaktere begegnen – Gute, Böse, Naive und Durchtriebene, Helden und Feiglinge – aber eben nicht in düsterem Nebel, sondern in mediterraner Helle, in der Dur-Tonarten dominieren. Der Komponist hat hier ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jeder neue Veranstaltungsort der darstellenden Künste strebt danach, zwei Kriterien zu erfüllen: ein äußeres Erscheinungsbild, das das Publikum anzieht wie ein Magnet, und ein Interieur, das den Besuchern ein Gefühl behaglicher Wärme und Intimität vermittelt. Das Winspear Opera House in Dallas erreicht nicht nur beide Ziele, es überwältigt seine Besucher in...
«Wie kriegt man die Empathie wieder in die Köpfe», fragte Stephan Kimmig, der Schauspielregisseur, vor einem halben Jahr in der Wochenzeitung «Die Zeit». Wie aktiviert man das Mitfühlen der Menschen, elementare Emotionen? Vielleicht hat Kimmig, Jahrgang 1959, auch deshalb zur Oper gefunden – Nikolaus Bachler, Münchens Opernchef, hat ihn vom schauspielerischen...
Majos «Alessandro» wurde 1766 in Mannheim uraufgeführt und dort im Mai 2008 erstmals wieder gespielt (siehe OW 7/2008). Jetzt sind die überlieferten Musiknummern – die Rezitative sind verloren – in einer Studioproduktion mit Ensemble und Orchester des Mannheimer Nationaltheaters unter der zupackenden Leitung von Tito Ceccherini zu hören. Wie viele Seria-Opern des...
