Once upon a time in Hollywood

Marie-Eve Signeyrole verfrachtet Gounods Drame-lyrique «Roméo et Juliette» am MusikTheater an der Wien in die Filmwelt der 1990er-Jahre

Opernwelt - Logo

Der Anfang ist geklaut. Etwas freundlicher ausgedrückt: eine Reverenz. Die fliehende Straße, verfolgt von einer Kamera, die in Windeseile ins Nichts rast, kennen wir aus dem Film «Mulholland Drive» von David Lynch. Hier, in der Halle E des Museumsquartiers, wird das Entrée allerdings anders untermalt – von der Ouvertüre zu Gounods Drame-lyrique «Roméo et Juliette», die sich erst sehr spät, mit dem Einsetzen des Utopie verheißenden Liebesgesangs, aus der tödlichen d-Moll-Klammer befreien kann.

Die Stoßrichtung indes, sie ist da wie dort die gleiche. Am Ende der Straße wartet (vermutlich) das Nirwana. Wie auch immer es aussehen mag.

Dass Marie-Eve Signeyrole aus ihrer Verehrung für Lynchs Ästhetik keinerlei Hehl macht (wie ebenfalls für Quentin Tarantino, dessen Streifen «Pulp Fiction» als Plakat zu sehen ist), darf kaum verwundern: Auch sie liebt das Abgründige, und vor allem liebt sie den Film in der Oper. Auch in ihrer Inszenierung am Musiktheater an der Wien wird das erneut evident; nur genügt es der französischen (Film-)Regisseurin nicht mehr, cineastische Elemente in ihre Arbeit einzuflechten. Diesmal siedelt sie sogar die gesamte Oper in einem filmischen Ambiente an. Genauer: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Over and over und nicht vorbei

Sechs Performer in knallblauen Leggins aus Lycra mit engen Tanktops schwingen Arme und Beine zu pulsierenden Lautsprecher-Rhythmen. Mit hochkonzentrierten Gesichtern legen sie eine perfekt synchrone Aerobic-Choreografie hin, an der Grande Dame Jane Fonda ihre helle Freude hätte. Für die zweite Ausgabe des diesjährigen Musiktheater-Festivals «Schall und Rausch»...

Im Schmelztiegel der Kulturen

Noch in den 1960er-Jahren kam man nicht an dem Namen Paul Abraham vorbei. In den Radiosendern waren brav arrangierte Medleys seiner Operetten omnipräsent; vor allem «Viktoria und ihr Husar» und «Die Blume von Hawaii» standen hoch im Kurs. Da quietschten sich Herta Staal und Harry Friedauer mit «Mausi, süß warst du heute Nacht» durch die Röhre, und Heinz Maria Lins...

Die Sehnsucht, im Moment zu sein

Etwas ist anders als sonst. Nicht die Tonart, das trüb vor sich hin sinnierende g-Moll klingt auch an diesem Recital-Abend auf Schloss Weißenbrunn trüb. Und auch die Worte, mit denen der Dichter sein «übergroßes Weh» bekundet, welches ihn befallen hat, sind dieselben: «Hör’ ich ein Liedchen klingen, das einst die Liebste sang, so will mir die Brust zerspringen von...