Trotzdem

Nono: Al gran sole carico d’amore
MAINZ | STAATSTHEATER

Der Dirigent Carlo Maria Giulini beklagte einmal, dass im «Mutterland der Musik» diese traditionell weitgehend identisch mit Oper («melodramma») sei, Sinfonik, Kammermusik hingegen weniger gälten. Die beiden wichtigsten Komponisten der Nachkriegszeit, Luigi Nono und Luciano Berio, gingen ebenfalls auf Distanz zur Singbühne, aber auch zu den etablierten «absoluten» Genres.

Doch selbst für Nono behielt das Theater seine Suggestion – nicht als Repräsentation des «belcanto», sondern als Forum seiner Suche nach ästhetischem Neuland, auch nach einer Kunst linken politischen Engagements, der Fusion kompositorischer wie kommunistischer Strategien. In einem entscheidenden Punkt allerdings stand er quer zu nicht wenigen Konzepten radikaler politischer Kunst: Er blieb der Avantgarde zunächst Darmstädter Provenienz treu, komponierte seriell, bald auch elektronisch, überwarf sich indes bald mit Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen, konnte aber auch mit quasi offiziellen sozialistischen Positionen (Hanns Eisler, Dmitri Schostakowitsch) wenig anfangen; und die Beziehung mit dem ihn bewundernden Hans Werner Henze blieb stets gespalten: Eine «Oper» zu schreiben, wäre ihm nicht in den Sinn ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard R. Koch