Nie war so viel Lärm wie heute

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In vielen Dingen war Christian Morgenstern ein Prophet. Vor hundert Jahren dichtete er: «Die Luft war einst dem Sterben nah: ‹Hilf mir, mein himm­lischer Papa!› Der Herr, sich scheuend vor Blamage, erfand für sie die Tonmassage, wobei die Luft famos gedeiht...» Die Tonmassage hat sich aber erst lange nach Morgensterns Tod auf das Präch­tigste entfaltet und wird seit einigen Jahren nicht nur in der Luft, sondern auch im Wasser angewendet. «Wenn ich vergnügt bin, muss ich singen», trällerten die Comedian Harmonists.


Wer heute jung und vergnügt ist, singt nicht, sondern dreht den Stereo-Verstärker auf. Tatsächlich spielt das Machtgefühl dabei mit. Mit tausend Watt Nennleis­tung, so viel wie ein bescheidener Staubsauger hat, kann man ein ganzes Wohnviertel zum Wahnsinn treiben und Funkstreifen in Trab setzen. Peinlicherweise verhindert die Biologie ein Anhalten der Wirkung. Man gewöhnt sich (scheinbar) an größeren Schalldruck. Jeder Diskotheken­betreiber weiß das, wenn er im Lauf des Abends die Lautstärken in die Höhe treibt, um eine subjektiv gleichbleibende Bedröhnung zu gewährleisten. Die Schmerzgrenze für den Menschen liegt bei 120 dB, in einer beliebten Kopenhagener Disko wurden ...

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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Kommentar, Seite 72
von Dietmar Polaczek

Vergriffen
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