Nicht gerächt, gerettet
Von der sehnsüchtigen Liebe im fernen Mittelalter, von der Kaija Saariahos erste Oper «L‘Amour de loin» handelt, springt die finnische, in Paris lebende Komponistin mutig in unsere kriegerische Gegenwart, wieder vom Librettisten Amin Maalouf begleitet. Die Liebe spricht hier mit anderen Worten: Im Krieg, hier irgendwo in den balkanischen oder nahöstlichen Krisengebieten, bedeutet Liebe Gewalt, Vergewaltigung, Rache, Tod. Aber bis zum Tod lassen es Komponistin und Textautor nicht kommen.
Dem rachedurstigen unehelichen Sohn der Adriana Mater namens Yonas sinkt beim Anblick des alt gewordenen, blinden Vaters und Vergewaltigers der Mutter die Waffe aus der Hand. Er kann‘s nicht tun, sorry Mom! Diese aber jubelt, weil ihr Sohn ihr Blut in den Adern hat. Er ist ein guter Mensch geworden und für die böse Welt ein glühendes Beispiel dafür, wie man die endlos scheinende Spirale der Gewalt endlich durchbrechen könnte: durch Gutmenschentum.
Wenn es so einfach wäre! Das Libretto liest sich wie eine Story in der «BILD». Maaloufs Feierlichkeit und das gehobene Pathos seiner Bekundungen nähern sich einem Erbauungstraktat. «Mein Leben, das ich einst verloren wähnte, habe ich endlich ...
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Der Komponist, 1661 in Paris geboren, starb 1741 in Lunéville bei Nancy. Diese geografische Nähe mag dazu beigetragen haben, dass die Opéra de Nancy sich endlich einmal auf Henry Desmarest (auch Henri Desmarets geschrieben) besann. Wenn in Deutschland, aber sogar in Frankreich, französische Barock-Oper angesagt ist, fallen meist die Namen Lully und Rameau. Von...
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Ein handfester Skandal zur Premiere oder schlicht und einfach das Prädikat: durchgefallen – das muss für eine Oper bekanntermaßen noch nicht die Versenkung im Orkus der Geschichte bedeuten. Siehe «Butterfly» und «Traviata» – eine kleine Änderung hier, eine andere Besetzung dort, und schon hatten Publikum und Geschichte ein Einsehen. Manchmal kommt der Erfolg aber...
