Neue Perspektiven

Ein Gewinn: Andreas Eichhorns Almanach «365 Tage mit Kurt Weill»

Opernwelt - Logo

Am 29. Januar 1933, einen Tag bevor Adolf Hitler Reichskanzler wird, schreibt Kurt Weill einen Brief an seine Geliebte Erika Neher, und er macht dabei keinen Hehl aus der miserablen Verfassung, in welcher er sich befindet: «Ich war wieder einmal ein paar Tage ganz verzweifelt, weil mir wieder etwas schiefgegangen war u. ich in einer scheusslichen Stimmung war, u. da es für mich so aussah, als ob ich überhaupt nicht wieder aus dieser Pechsträhne herauskommen würde. Aber nach ein paar Tagen sah es dann wieder ein bisschen hoffnungsvoller aus.

Es ist merkwürdig, was für eine Rolle in einer so schweren Zeit die Hoffnung spielt …» 

Weill hat Depressionen, nicht nur der veränderten politischen Großwetterlage wegen. Doch es ist ausschließlich letztere, die ihn wenige Wochen später, kurz nach der Leipziger Uraufführung seiner Oper «Der Silbersee» auf einen Text von Georg Kaiser, dazu zwingt, Deutschland zu verlassen – auf immer. Warum, ist allgemein bekannt. Und vielleicht auch, unter welchen dramatischen Umständen der Komponist – nach Ansicht des zeitgenössischen Musikpublizisten Paul Bekker «eine der stärksten Begabungen unter den jüngeren Deutschen» – nach Frankreich flieht, bevor er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 49
von Jan Verheyen

Weitere Beiträge
Sieben Fragen an Christian Jost

Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Als meine Frau Stella Doufexis den Octavian im «Rosenkavalier» von Richard Strauss in der fast schon legendären Inszenierung von Andreas Homoki an der Komischen Oper Berlin gesungen hat. Jedes Mal habe ich geweint, wenn sie sang: « ... und weiß von nichts als nur: Dich hab’ ich lieb.» Dies war und ist auch das einzige...

CD des Monats: Liebesgeflüster

Der Tod schmeckt ungewöhnlich süß. Und er leuchtet in den zartesten Farben. Jedenfalls in diesem Moment, an diesem Ort. Dabei sind die Vorhänge geschlossen im Schlafgemach der Violetta Valéry. Also muss es wohl ein himmlisches Licht sein, das in den Raum hineinfällt: engelsgleich. Giuseppe Verdi hat dafür eine göttliche Musik geschrieben, ein Andante in cmoll, das...

In Wagners Welt

Der Premierentitel und das ganze Drumherum dieses vierstündigen Spektakels passten zu den Ambitionen der neuen Intendanz in Kassel und ebenfalls zur heißdisktutierten documenta – mit einem kleinen Unterschied: Das politische Porzellan blieb diesmal heil. Mit «Temple of Appropriated Histories», einer interdisziplinären Bühneninszenierung des Projekts «Temple of...