Nahe am Ideal

Delikate Lyrismen, federnde Walzerparaphrasen, gelöstes Parlando: Karlsruhe lässt den «Rosenkavalier» glänzen

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Die Liebesnacht der Marschallin und Octavians muss eine stürmische Angelegenheit gewesen sein. Furioser hätte der neue Karlsruher «Rosenkavalier» nicht beginnen können als mit dieser grandios aufgefächerten Introduktion der immer neuen, sich immer mehr überschlagenden orchestralen Anläufe, ihrer Atemlosigkeit, ihrem stetigen Nachlegen.

Die exzellente Badische Staatskapelle und ihr GMD Justin Brown bestim­men diese Strauss-Darstellung ganz wesentlich – auch in den lebensphilosophischen Ruhemomenten, bei den wundersam delikaten, nie triefen­den Lyrismen, den federnden Walzer-Paraphrasen, dem leicht und beweglich gestalteten Dialog-Parlando. Dass die Aufführung sich zum Strauss-Glücksfall auswächst – dazu ist das inspirierte musikalische Gelingen die conditio sine qua non.

Nicht oft wird das zentrale Diktum der Marschallin, die Zeit sei «ein sonderbar’ Ding», optisch so sinnfällig eingefangen wie von dem Karlsruher Regieteam aus Dominique Mentha (Inszenierung), Christian Floeren (Bühne) und Ute Frühling (Kostüme). Eisskulpturen flankieren die Szene im fürstlichen Boudoir wie beim steinreichen Emporkömmling Faninal, auf dessen glattem Parkett das Bedienungspersonal per Schlittschuh ...

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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 63
von Heinz W. Koch

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