Nackte Wahrheit
Nachträgliche Millionenkürzungen des aktuellen Etats, die politisch motivierte Drohung, eine kommissarische Verwaltung zu installieren (mit Streikwarnungen aus allen Gewerken): In die gerade erst angebrochene Morgenröte der römischen Oper haben sich schon wieder düstere Wolken geschoben. Gerade ist dort die zweite Doppelpremiere der Spielzeit «in scena» gegangen.
Im großen Haus feierte Christoph Willibald Glucks «Iphigénie en Aulide» (Riccardo Muti/Iannis Kokkos) Triumphe, und im «kleinen» Teatro Nazionale kam nach langer Zeit wieder ein Auftragswerk zur Uraufführung: «Il re nudo» (Der nackte König), ein Divertimento in zwei Akten von Luca Lombardi und Sandro Cappelletto.
Das Stück basiert auf der gleichnamigen Politsatire des russischen Dramatikers, Schauspielers und Kinderbuchautoren Evgenij Schwarz aus dem Jahr 1934, die sich ihrerseits an drei Märchen von Hans Christian Andersen orientiert («Der Schweineprinz», «Die Prinzessin auf der Erbse», «Des Kaisers neue Kleider»). Darin wird blinde Arroganz der Mächtigen ebenso persifliert wie die gleichgültige Blindheit des Volkes – bis ein Kind allen die Augen öffnet. Anders als Schwarz, verzichtet der Librettist Sandro Cappelletto auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw» tun sich gerade deutsche Theater schwer: Statt die Geschichte in dem absichtsvollen Schwebezustand zwischen Wahn und Realität zu belassen, der schon die novellistische Vorlage von Henry James auszeichnet, nehmen die meisten Inszenierungen des 1954 uraufgeführten Werks eindeutige Schuldzuweisungen vor: Entweder sind...
Es ist eine makabre, für empathische Zuschauer schwer erträgliche Situation. Und doch besitzt sie musiktheatrale Energie, wie sie nur selten aus einer historischen Handlung kommt: In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Betäubungsmittel verboten, wenn die Patienten nicht bei den Operationen starben, so an der primitiven Anästhesie. Doktor Eisenbart,...
Sie ist lange Jahre eines der großen unterschätzten Werke des 20. Jahrhunderts gewesen, Othmar Schoecks grandiose, düster glühende Kleist-Vertonung, aber jetzt scheint ihre Zeit gekommen zu sein. Nach Cottbus (OW 12/2003), Basel (OW 12/2007) und Dresden (OW 4/2008) legt Lübeck eine außerordentlich geglückte Inszenierung des Werks vor, die nahe an seinem Wesenskern...
