Kritischer Realismus

Musiktheater war für ihn Aufklärung über die selbstverschuldete Gefährdung des Menschen: Zum Tod des überragenden Regisseurs Harry Kupfer

Kaum ein anderes großes Land war kulturell so zerklüftet, dezentralisiert wie Deutschland, die «verspätete Nation» (Helmuth Plessner). Es gab keine dominierende Hauptstadt wie die «Wasserköpfe» Paris und London. Hinzu kamen die Kleinstaaterei und die selbstbewussten freien Reichsstädte. Zudem spaltete die Reformation das Land in Katholiken und Protestanten. Gravierender freilich war die innerdeutsche Grenze.

So standen an Musik und Theater interessierte Berlin-Besucher in der geteilten Stadt vor der allemal animierenden Alternative: Komische Oper oder Philharmonie, Berliner Ensemble oder Schaubühne?

Aus westlicher Sicht war Ost-Berlin ein Bühnen-Dorado: Walter Felsenstein, Bert Brecht, Heiner Müller, Paul Dessau und Ruth Berghaus hießen die prägenden Figuren; sie standen für  heterogene Positionen realistischen Theaters, hatten mancherlei Privilegien, was Dissens mit der SED-Kultur-Bürokratie nicht ausschloss. Aus diesen Spannungen heraus erwuchs in der Folge eine Musiktheater-Generation, die in verschiedenster Weise die Opernästhetik bereichert hat: Götz Friedrich, Joachim Herz, Harry Kupfer, Achim Freyer, Peter Konwitschny. Den Ur-Vätern Brecht und Felsenstein waren sie ...

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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Abschied, Seite 32
von Gerhard R. Koch