Nachholbedarf
Ab und zu ist da die große Vereinsamung. Dann nämlich, wenn sich die Gruppe der ersten Violinen im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg zum Dienst versammelt und – bis auf eine Ausnahme – nur Frauen an den Pulten sitzen. Geschmunzelt werde in solchen Momenten, sagt Solveigh Rose, Geigerin und Mitglied des Orchestervorstands. Und gern über den «Quotenmann» gelästert. Situationen wie diese mögen selten sein, doch sie sind die extreme Ausprägung eines Trends. Je höher das Instrument, desto höher der Frauenanteil.
Das bemerkt man nicht nur beim Blick aufs Konzertpodium oder in den Operngraben, das ist nun auch statistisch bewiesen. Was zugleich bedeutet: Weil ein Klangkörper ja nicht nur aus Violinen, Bratschen oder Flöten besteht, ist es bis zur Parität noch ein gutes Stück.
39,6 Prozent beträgt der Frauen-, 60,4 Prozent der Männeranteil in den öffentlich finanzierten Orchestern. Das hat eine Studie des Deutschen Musikinformationszentrums (MIZ) ergeben. Die 129 untersuchten Ensembles mögen damit weiter sein als viele Unternehmen der freien Wirtschaft. Und doch wirken beim genauen Blick auf die Stellenverteilung noch immer klassische Verteilungsmuster fort. Für Hamburg heißt das, ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 18
von Markus Thiel
Giacomo Puccini höchstpersönlich saß am 22. Mai 1898 neben anderen Berühmtheiten im Publikum des römischen Teatro Costanzi, als die Oper «Iris» von Pietro Mascagni, der wie er selbst aus der nördlichen Toskana stammte, uraufgeführt wurde. Sein ehemaliger Kommilitone war früh erfolgsverwöhnt: Mit «Cavalleria rusticana» hatte er 1889 den ersten Preis beim...
Man spielt die alten Rollen weiter, gibt die Lügen von einst als Wahrheit aus, lässt die Leichen im Keller schmoren. Das wird schon gut gehen, so lange niemand, der dort nicht ohnehin seit Jahren sein Unwesen als Untoter treibt, dieses Horrorhaus betritt und nachfragt. Doch der parsifaleske reine Tor, Student Arkenholz (Yoonki Baek singt die extrem hohe Tenorpartie...
Ein Stimmwechsel sei auch bei einer Frau möglich, kalauerte einmal der österreichische Kabarettist Maxi Böhm – wenn sie nämlich dem Tenor den Laufpass gebe und sich dem Bariton zuwende ... Auf der Bühne läuft es indes meist umgekehrt; da fliegen die Herzen den Tenören zu, während die Baritone der Handlung das Gift von Eifersucht und Mordlust einträufeln. So richtig...
