Muster ohne Wert

Rameau: Hippolyte et Aricie
Berlin | Staatsoper

Opernwelt - Logo

Nebel in dichten Schwaden. Von den Seitenbühnen, im Zuschauerraum. Im roten, grünen und blauen Gegenlicht wird das wabernde Trockeneis zu einem unergründlichen Ozean, in dem sich die Umrisse von drei Gestalten abzeichnen: Es könnte der Beginn einer «Rheingold»-Inszenierung sein. War es im Grunde auch. Ganz ähnlich hatte es 1988 im Bayreuther Festspielhaus begonnen. Dort hatten Regisseur Harry Kupfer und sein langjähriger Ausstatter Hans Schavernoch damals mit Nebel und Laserlicht einen magischen dreidimensionalen Raum geschaffen.

Und die Figuren der Wagner’schen Tetralogie in spannungsreiche Beziehungen gesetzt.

30 Jahre später, bei den Barocktagen der Berliner Lindenoper, bietet sich leider ein ganz anderes Bild. Déjà-vus sind keine Seltenheit und auch kein Sakrileg. Man ist erst dann peinlich berührt, wenn man spürt, dass die Technik Selbstzweck ist – ein Potemkinsches Theaterdorf. Ein solches bieten Aletta Collins, die regieführende britische Choreografin, und Ólafur Elíasson, der isländisch-dänische Raum- und Lichtkünstler, in Jean-Philippe Rameaus «Hippolyte et Aricie». Durchgestylt, abstrahiert von Raum und Zeit, wird der von Librettist Simon-Joseph Pellegrin barockisierte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Pauschalreise

Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis...

Liebeserklärung

Fies ist das Urmel geworden. Außerdem pafft es auch noch. Oder ist’s doch dessen missratener Spross mit scharfem Zahngebirge, müden Karl-Dall-Lidern und gefährlich ausschlagendem Rumpf? Dieses Drachengetier befindet sich in guter Gesellschaft angesichts der anderen Zöglinge – dem fast gesichtslos düsteren Hagen oder dem knollennasigen, rothaarigen Sonnyboy...

Für den Salon

Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...