Mussorgsky: Boris Godunow
Das letzte Bild ist das berührendste. Allein mit seinem Sohn sitzt Godunow im weißen Nachthemd auf der leeren Bühne. Sein auf der Stufenpyramide abgelegter Goldmantel rahmt die Szene ein wie eine Ikone, sein golden gefärbtes Gesicht ist erstarrt: ein gebrochener Mann. Matti Salminen gestaltet Boris’ finalen Monolog mit existenziellem Ausdruck. Auch in den dramatischsten Passagen wie am Ende des zweiten Akts stehen ihm genügend stimmliche Reserven zur Verfügung, um die seelischen Abgründe packend in Klang zu setzen.
Mit dem Dirigenten Vladimir Fedoseyev liegt man bei Mussorgsky ebenso richtig. Bis auf gelegentliche, dynamisch leicht überdrehte Spitzen erzielt Fedoseyev mit dem Züricher Opernorchester einen gut ausbalancierten, dunkel timbrierten Klang, der von naturalistischer Radikalität bis zur religiösen Verklärung reicht. Der erweiterte Opernchor (Einstudierung: Jürg Hämmerli) weist eine ähnliche Ausdrucksbreite auf, auch der Kinderchor singt bei der Szene mit dem Gottesnarren (eher kläglich als klagend: Boguslaw Bidzinski) souverän und intonationssicher.
Für die Züricher Premiere hat Klaus Michael Grüber seine Brüsseler Inszenierung von 2006 überarbeitet und den ...
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