Musikhauptstadt des 19. Jahrhunderts
Herr Hagedorn, für Ihre Bücher über die Bach-Familie und Paris, die Musikhauptstadt des 19. Jahrhunderts, sind Sie zu vielen Originalschauplätzen gereist. Sehen Sie sich in der Tradition schreibender Flaneure wie Franz Hessel, Siegfried Kracauer oder Walter Benjamin?
Kracauers Offenbach-Buch oder Benjamins «Passagen-Werk» sind sicher Voraussetzungen meiner Arbeit. Wobei Benjamin die Perspektive des Flaneurs, der alles in den Blick nimmt, seinerseits bei Baudelaire entdeckt.
Der Flaneur ist ja in der luxuriösen Position, sich treiben zu lassen, Eindrücke zu sammeln, wie sie kommen, um sie vielleicht später zu bündeln und literarisch zu verarbeiten. Diesen Luxus hatte ich nicht, wenn ich in Paris unterwegs war. Ich wusste, wonach ich suchte, war aber natürlich offen für alles, was sich dabei ergab.
Sie verknüpfen auf ungewohnte Weise Kulturgeschichte, Reisebericht und fiktive Erzählung. Ging es Ihnen auch darum, ein neues Genre zwischen Wissenschaft und Literatur zu begründen?
Ich freue mich sehr, wenn das so wahrgenommen wird. Allerdings war das kein Vorsatz, als ich anfing, das Bach-Buch zu schreiben. Der Ausgangspunkt war mein persönliches Interesse als Musiker an der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2019
Rubrik: Buch des Jahres, Seite 82
von Albrecht Thiemann
Vor 200 Jahren wurde er als Sohn eines Kölner Kantors geboren, schon mit 14 Jahren kam er nach Paris, damals die Welthauptstadt der Musik und schönen Künste. Dort brachte er es zum erfolgreichsten Komponisten neben (dem aus Berlin zugereisten) Giacomo Meyerbeer. Und doch blieb Jacques Offenbach in der feinen Gesellschaft, die sich an der Seine köstlich über den...
Dieses Opus, diesen Komponisten hatte bis vor Kurzem so gut wie niemand auf dem Schirm: «Guercœur» von Albéric Magnard. Erst zwölf Jahre nach Magnards Tod – er wurde 1914 von deutschen Soldaten erschossen, als er sein Haus verteidigen wollte – erklang die «Tragédie en musique» des Einzelgängers, der den Pariser Kultursalons stets fern geblieben war, zum ersten...
La joie de vivre
Dieser nie versiegende Enthusiasmus! Diese unerschöpfliche Lust, Brücken zu schlagen, zwischen Künstlern, zwischen Musik, Theater, Literatur, Film und den bildenden Künsten. Zwischen Kulturen, Sprachen, Kontinenten. Diese Freude, wenn sie Französisch sprechen konnte, und ihr Französisch war ausgezeichnet! Diese faszinierenden, leidenschaftlichen...
