Musikalische Sternstunde

Wien, Staatsoper, Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Opernwelt - Logo

Gewisse Worte, sagt uns der Volksmund, seien wie Zahnpasta: einmal draußen, bringt man sie nicht mehr in die Tube zurück. Das musste auch der neue Direktor des Wiener Burgtheaters Matthias Hartmann erfahren, als er seine Antrittspressekonferenz mit dem markigen Ausspruch: «Sie wollen das Beste. Sie verdienen das Beste. Sie kriegen das Beste» befeuern wollte. Prompt fiel ihm der Satz auf den Kopf. Denn die Eröffnungspremiere mit beiden Teilen von Goethes «Faust» erfüllte die Erwartungen nicht, und auch in der Folge gab es manch Zwiespältiges.

Nun hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender den Kollegen vom Burgring zu sich geladen, damit dieser sich an Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» versuche. Natürlich wollte und verdiente man auch an der Staatsoper das Beste, aber das lieferten bei «Lady Macbeth» nicht Hartmann und sein Regieteam, sondern Angela Denoke als mitreißende Titelheldin und der Dirigent Ingo Metzmacher.

Die Inszenierung verharrt im elegant Konventionellen. Sie baut auf klare, kühle Räume: Zwei auch als Filmleinwand fungierende Wände begrenzen eine kahle Spielfläche (Bühnenbild: Volker Hintermeier), auf der die Aktionen der triebgesteuerten Protagonis-
ten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhart Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Man ist selbst die Stimme»

Frau Gens, glauben Sie wie ich, dass Frauen die Launen des Schicksals besser aushalten können, weil sie stärker sind als Männer?
Ich weiß nicht, ob sie stärker sind. Aber es ist richtig, dass die Zahl der Frauen, die tragische Dinge erleben, die verzweifelt sind, von ihren Ehemännern oder Geliebten verlassen werden oder sogar sterben, sehr groß ist. Und es ist...

Außer sich

In der zweiten Folge ihres Recitals bekannter und wenig bekannter französischer Opern spannt Véronique Gens den Bogen von Rameaus «Les Paladins» bis zu Berlioz’ «Les Troyens», also über ein Jahrhundert, in dem sich in der französischen Kultur und Politik viel bewegt hat. Alces­te, Antigone, Didon, Hermione und Cassandre drücken im Gewand der Antike auch die...

Klangschatten

Kaija Saariahos erste Oper «L’Amour de loin» war ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele und kam im Sommer 2000 in der Felsenreitschule heraus, dirigiert von Kent Nagano (siehe OW 11/2000). Fünf Jahre später wurde die Inszenierung von Peter Sellars an der Oper von Helsinki auf DVD mitgeschnitten, nun dirigiert von Saariahos Landsmann Esa-Pekka Salonen. Wie bei...