Von europäischem Rang

Lars Ulrik Mortensen und Jetske Mijnssen machen Monteverdis «L’Orfeo» in Kopenhagens altem Opernhaus zu einem Stück der Stunde

Die Alten, für die Pest und Cholera, Krieg und Typhus zum Alltag gehörten, kannten das Kunstgewerbe der Negativität noch nicht. Sie waren sich ihres Lebens nicht sicher genug, um sich mit schlechten Aussichten interessant zu machen. Weil die Bedrohung des Lebens so real war, gab es eine Pflicht zum lieto fine, zum heiteren Ende. Denn aller Pessimismus ist viel billiger zu haben als die Hoffnung.

Über der Bühne des alten Opernhauses am Königlichen Neumarkt in Kopenhagen stehen bis heute die vier Worte: «Ei blot til lyst» – «Nicht bloß zur Lust», eine Devise, die man keineswegs als post-pietistische Miesepetrigkeit, als moralinsaure Rechtfertigung des Theaters missdeuten darf, sondern als Weisheit begreifen sollte, dass das Lachen und die Hoffnung eine Art Sicherung unserer Zukunftsfähigkeit sind.

«Keiner soll sich der Verzweiflung überlassen oder sich dem Schmerz ergeben, auch wenn er uns oft bedrängt und am Leben verzagen lässt», singen der erste und dritte Hirt in Claudio Monteverdis «Orfeo». Und hier in Kopenhagen singen sie es zart und graziös, von Lillian Stillwell ohne großen Aufwand, sängerfreundlich choreografiert. Der Gesang der Hirten ist nicht nur Aufforderung zum ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jan Brachmann