Kreisende Zeit

Moniuszko: Halka
WIEN | THEATER AN DER WIEN

Janusz feiert, was der Volksmund «Hirnfasching» nennt, spult den Film seines Lebens vor und zurück. Realität oder Halluzination? Wer weiß. Er hat ein junges Mädchen verführt und in den Tod getrieben; sein schlechtes Gewissen lässt ihn die Orientierung verlieren. Die Zuschauer rätseln mit ihm – und das sollen sie nach dem Willen von Mariusz Treliński auch.

Denn der Regisseur hat für seine Inszenierung von Stanisław Moniuszkos «Halka» am Theater an der Wien die «Idee der kreisförmigen Natur der Zeit» entdeckt und Echtzeit-Ereignisse mit Erinnerungen verflochten, «so dass das Publikum die Möglichkeit verliert, zu unterscheiden». Das ist cineastisch gedacht – kein Zufall, denn Treliński, nunmehr Chef des Teatr Wielki in Warschau, kommt vom Film und wurde etwa durch Streifen wie «Farewell to Autumn» (1990) bekannt.

Er inszenierte diese Oper zum ersten Mal, das Ergebnis ist nach den Aufführungen am Theater an der Wien ab Februar auch in Warschau zu sehen. Schon die ursprünglich im 18. Jahrhundert spielende Handlung forciert eine Art «#HerToo»-Deutung, jener in der Romantik so beliebte Topos der betrogenen und misshandelten weiblichen Unschuld. Hinzu kommt die soziale Komponente: ...

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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhard Persché