Mit Fleiß und Akribie
Selbstlob stinke nur dem Neider, soll Goethe gesagt haben.
So nimmt man denn mit Schmunzeln zur Kenntnis, dass Claudia Behn Rezensionen zu ihrer Biografie über die Koloratursopranistin Rita Streich (1920–1987) gleich selbst verfasste: Dies wäre «ein wunderbares, interessantes und flüssig lesbares Buch, das sich auch als Weihnachtsgeschenk für Opernliebhaberinnen und Opernliebhaber, wie auch für Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler, aber auch angehende wie gestandene Opernsängerinnen und Opernsänger bestens eignet …» Doch auch der sachliche Beobachter vermag dieser Einschätzung zuzustimmen.
Vor allem hat Behn, Musikologin, Musikjournalistin, Klavier- und Keyboardlehrerin aus Jena, sich sehr viel Arbeit gemacht; das Buch zeugt von Fleiß und Akribie. Ungewöhnlich ist schon sein Umfang (672 Seiten) und der Detailreichtum. Die Autorin schaut Rita Streich in allen Lebensphasen sozusagen über die Schulter, auf die Finger und in die Kehle, nutzt dabei eine enorme Fülle von Material aus Archiven, Zeitungsberichten, Rezensionen und privaten Aufzeichnungen. Wobei Behn auch das vermeintlich Nebensächliche ausführlich behandelt, etwa kleinste Partien der jungen Sängerin und ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Gerhard Persché
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Ich wollte zunächst Lehrer werden. Aber nicht für Radschlagen. Das mache ich einfach gern, manchmal auch auf der Opernbühne. Regisseure mögen es ja, wenn jemand akrobatische Dinge beherrscht. In Humperdincks «Königskindern»...
1917, auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs und in den Straßen der vernarbten Städte sterben seit Jahren völlig sinnlos Millionen von Menschen, schreibt Walter Hasenclever ein bitterbös-gnadenloses Gedicht: «Die Mörder sitzen in der Oper!» Und kaum gewaltiger könnte der Unterschied zwischen den Sphären sein, die der Dichter in scharfschneidende,...
Wenn dies auch Tollheit ist, hat es doch Methode», scheint mit Shakespeares «Hamlet» die Devise dieser Aufführung zu sein. «Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro» heißt (übersetzt) der Titel von Beaumarchais’ aufrührerischer Komödie, die Mozarts und Da Pontes Oper zugrunde liegt. In Barbora Horá-kovás Inszenierung, die das Nationaltheater Mannheim im...
