Mit Abstand hören
Eine Opernsaison, die mit «7 Deaths of Maria Callas» beginnt , aber schon nach einem Monat endet, kurz nachdem man Mussorgskys «Boris» in Zürich erlebt hat: Chor und Orchester ins Opernhaus übertragen, die Solisten live auf der Bühne, was in der Regie von Barrie Kosky, bei dem alles in einer Bibliothek mit wandelnden Bücherregalen spielt, kühn gelingt. Wenig später sind in München für Braunfels‘ «Die Vögel» statt der zwischenzeitlich erlaubten 500 nur noch 50 Besucherinnen und Besucher zugelassen und dann gar keine mehr.
Dafür erlebt man gerade noch eine auf zwei Abende verteilte Premiere von Mozarts «La finta giardiniera» mit Studentinnen und Studenten! Nach einem halben Jahr sitzt man wieder in der Münchner Reaktorhalle und darf als Gast der Hochschule erneut hochkarätigen Mozart genießen: in Generalproben der «Zauberflöte» mit zwei ganz unterschiedlichen Besetzungen. Was für eine schöne, in jeder Hinsicht auf die Zukunft hoffen lassende Klammer!
Dazwischen gibt es jede Menge Streams von überall auf der Welt. Man ist zu Gast – in Paris («Aida») oder Wien (Henzes «Das verratene Meer» in der konzisen Regie von Wieler/Morabito mit einem faszinierend seekranken Bühnenbild von Anna ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 105
von Klaus Kalchschmid («Süddeutsche Zeitung», «Die Deutsche Bühne», München)
Im Jahrbuch 2020 wurde eine von Mezzo J’Nai Bridges moderierte Diskussion zum Thema Rassismus in der Oper abgedruckt. Über dieses wichtige Thema ist viel gesprochen worden seither – wer trotzdem noch Belege braucht, kann sich auf einer der vielen neuen Plattformen umschauen, etwa dem Instagram-Account @operaisracist. Vieles klingt bekannt in den anonymisierten...
Blicken wir zurück. Am 14. März 2020 feierte die English National Opera (ENO) die Premiere einer Neuproduktion von Mozarts «Le nozze di Figaro». Bereits die zweite Vorstellung wurde gestrichen, ebenso der Rest der Spielzeit. Das Royal Opera House (ROH) brachte am 1. März 2020 einen umjubelten neuen «Fidelio» heraus. Nach sechs weiteren Vorstellungen fiel die...
Der Kölner Opernskandal wurde in der Pandemie zum Glücksfall. Weil die Renovierung der Oper im Tempo des Berliner Flughafenbaus verläuft, spielt das Musiktheater weiter in der Ausweichspielstätte, dem Staatenhaus. Dort gibt es genug Platz, um trotz Abstandsgeboten ein romantisch besetztes Orchester in voller Stärke spielen zu lassen. So konnte die Kölner Oper...
