Misterioso

Bröder: Die Frauen der Toten Erfurt / Theater Erfurt

Opernwelt - Logo

Nathaniel Hawthorne ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur (The Scarlet Letter), doch er wird bei uns nur wenig gelesen. Es mag deshalb erstaunen, wenn ein deutscher Komponist für seine erste Oper eine frühe, kaum bekannte Erzählung dieses Autors als Sujet wählt. In The Wives of the Dead, um 1830 geschrieben, geht es um zwei Witwen, die erst vor Kurzem ihre Männer verloren haben. Während Mary ihr Schicksal duldsam hinzunehmen scheint, begehrt die temperamentvolle Margaret dagegen auf.

Eines Nachts werden beide kurz nacheinander durch Nachbarn aus dem Schlaf gerissen, die ihnen mitteilen, dass ihr Mann doch noch am Leben sei. Beide wollen mit ihrer Freude den Schmerz der Freundin nicht vertiefen und behalten die Neuigkeit für sich. Sind die nächtlichen Besucher reine Traumgestalten? Haw­thorne lässt es offen, doch der letzte Satz spricht dafür: «She suddenly awoke».

Alois Bröder, Librettist und Komponist in Personalunion, erzählt die Geschichte gleich zweimal. Träumerische Wirklichkeit und realistischer Traum sind dabei keine Alternativen, sondern bedingen und ergänzen einander. Den Schlüssel zum Verständnis liefert ein hinzugefügter Text aus einer anderen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Gut in Schuss

Hat jemand mal den durchschnitt­lichen Pulsschlag von Pilgern gemessen? Und den von Besuchern in Lusttempeln? Man sollte diese Ergebnisse mit der Schlagzahl vergleichen, die Marek Janowski als Tempovorgaben für seinen Tannhäuser gewählt hat. Um es nett auszudrücken: Zu langsam ist er nie. Anders gesagt: ­Janowski ist oft stramm unterwegs, kommt (fast) ohne...

Neue Impulse im alten Plüschkasten

 Das Cello-Solo im ersten Akt dirigiert er aus. Und auch sonst ist Lawrence Renes ziemlich pingelig bei dieser Walküre. Einfach die Musik laufen lassen – das fällt ihm vorerst noch schwer. Das dürfte vor allem zwei Gründe haben: Erstens ist das Stück noch relativ frisch für den neuen Musikchef der Stockholmer Oper. Und zweitens braucht das Orchester genaue...

Um die Ecke gedacht

Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei ­Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht...