Maximaler Ausdruckswille
Im Sommer gab die Deutsche Grammophon bekannt, dass Franco Fagioli einen Exklusivvertrag unterschrieben hat. Statt mit Ausgrabungen und Raritäten, die Fagiolis Diskografie bisher prägten, präsentiert sich der argentinische Countertenor auf seiner ersten Aufnahme für die wiederbelebte und etwas bemüht modernisierte Archiv Produktion als Orfeo in Christoph Willibald Glucks nach wie vor bekanntester Oper.
Gluck komponierte die Titelpartie von «Orfeo ed Euridice» für den Altkastraten Gaetano Guadagni, einen Sänger, der durch differenzierten Einsatz vokaler Ausdrucksmittel und seine Darstellungskunst beeindruckte. Fagiolis Stimme hingegen tendiert zum Sopran, und obwohl er auch langsame Arien intensiv, ausdrucksstark zu gestalten vermag, beeindruckt er doch am nachdrücklichsten in Virtuosen-Arien mit Koloraturfeuerwerken und leuchtenden Spitzentönen. Die Orfeo-Partie bietet zu vokalen Exaltationen dieser Art keine Gelegenheit, zumindest nicht in der ursprünglichen Wiener Fassung von 1762, auf die sich die meisten Aufnahmen stützen und die auch der neuen Produktion unter der Leitung der französischen Dirigentin Laurence Equilbey zugrundeliegt. Auf Fagiolis Koloraturkunst wollte man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf
Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise...
The Story of Semele», das 1744 uraufgeführte Oratorium Händels, hat seit 1925 den Weg auf die Opernbühne gefunden, und neuerdings wird es mindestens einmal jährlich neu inszeniert. Nicht einmal Spezialisten wussten aber von einer merkwürdigen Aufführung im Schiller-Jahr 1905. Christiane Wiesenfeldt rekonstruiert im neuesten Band der «Göttinger Händel-Beiträge» eine...
Für große Inszenierungen braucht es keine großen Bühnen. Ein Mann steht hinterm Herd, schwarzes T-Shirt, Schürze. Konzentriert schneidet er am Gemüse. Schnitt für Schnitt verwandelt er gelbe Karotten in elegante Würfel, und wie er das macht, ist ein kleines Kunststück: Jede Bewegung scheint bedächtig, fast ein chirurgischer Schnitt, aber das Ergebnis ist der Beweis...
