Maximaler Ausdruckswille
Im Sommer gab die Deutsche Grammophon bekannt, dass Franco Fagioli einen Exklusivvertrag unterschrieben hat. Statt mit Ausgrabungen und Raritäten, die Fagiolis Diskografie bisher prägten, präsentiert sich der argentinische Countertenor auf seiner ersten Aufnahme für die wiederbelebte und etwas bemüht modernisierte Archiv Produktion als Orfeo in Christoph Willibald Glucks nach wie vor bekanntester Oper.
Gluck komponierte die Titelpartie von «Orfeo ed Euridice» für den Altkastraten Gaetano Guadagni, einen Sänger, der durch differenzierten Einsatz vokaler Ausdrucksmittel und seine Darstellungskunst beeindruckte. Fagiolis Stimme hingegen tendiert zum Sopran, und obwohl er auch langsame Arien intensiv, ausdrucksstark zu gestalten vermag, beeindruckt er doch am nachdrücklichsten in Virtuosen-Arien mit Koloraturfeuerwerken und leuchtenden Spitzentönen. Die Orfeo-Partie bietet zu vokalen Exaltationen dieser Art keine Gelegenheit, zumindest nicht in der ursprünglichen Wiener Fassung von 1762, auf die sich die meisten Aufnahmen stützen und die auch der neuen Produktion unter der Leitung der französischen Dirigentin Laurence Equilbey zugrundeliegt. Auf Fagiolis Koloraturkunst wollte man ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf
Place de la Bastille. Stéphane Lissner empfängt an seinem Arbeitsplatz. Im (nicht mehr ganz) neuen zweiten Haus der Opéra de Paris. Seit August 2014 leitet der 62-Jährige den größten Theaterbetrieb Frankreichs. Gerade hat er in der Bastille Oper seine erste eigene Saison eröffnet. Mit «Moses und Aron», jenem «Endspiel» (Hans Mayer), das er vor 20 Jahren zum ersten...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von
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Best.-Nr. 752284
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 06.11.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Gounods Goethe-Erfolg, eine der (gar nicht so) geheimen Lieblingsopern Thomas Manns, kann auch im 21. Jahrhundert noch auf Interesse und Bewunderung stoßen. Die Chor-, insbesondere die Kriegsszenen sind nicht allzu weit von Verdi’schem Schwung entfernt, und den Intimitäten des im Mittelpunkt stehenden vokalen Trio infernale sind bedeutende Schön- und Apartheiten...
