Maximaler Ausdruckswille

Franco Fagioli versucht sich an Glucks Orfeo

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Im Sommer gab die Deutsche Grammophon bekannt, dass Franco Fagioli einen Exklusivvertrag unterschrieben hat. Statt mit Ausgrabungen und Raritäten, die Fagiolis Diskografie bisher prägten, präsentiert sich der argentinische Countertenor auf seiner ersten Aufnahme für die wiederbelebte und etwas bemüht modernisierte Archiv Produktion als Orfeo in Christoph Willibald Glucks nach wie vor bekanntester Oper.



Gluck komponierte die Titelpartie von «Orfeo ed Euridice» für den Altkastraten Gaetano Guadagni, einen Sänger, der durch differenzierten Einsatz vokaler Ausdrucksmittel und seine Darstellungskunst beeindruckte. Fagiolis Stimme hingegen tendiert zum Sopran, und obwohl er auch langsame Arien intensiv, ausdrucksstark zu gestalten vermag, beeindruckt er doch am nachdrücklichsten in Virtuosen-Arien mit Koloraturfeuerwerken und leuchtenden Spitzentönen. Die Orfeo-Partie bietet zu vokalen Exaltationen dieser Art keine Gelegenheit, zumindest nicht in der ursprünglichen Wiener Fassung von 1762, auf die sich die meisten Aufnahmen stützen und die auch der neuen Produktion unter der Leitung der französischen Dirigentin Laurence Equilbey zugrundeliegt. Auf Fagiolis Koloraturkunst wollte man ...

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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf

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