Massenet: Don Quichotte
Für Massenets «Don Quichotte» entwickelte Götz Friedrich in den siebziger Jahren ein Regiekonzept, das – vorgestellt in der Hamburgischen Staatsoper – auch heute noch trägt: Der Ritter von der traurigen Gestalt war bei ihm keine Figur des späten 16. Jahrhunderts, sondern ein Zeitgenosse des Komponisten, der in dem Wahn lebt, Don Quichotte zu sein. Ein doppelbödiges Spiel im Spiel, das Dulcinea und ihre Verehrer zunächst bereitwillig mitmachen, bis sie den vermeintlichen Ritter in Entsagung und Tod getrieben haben.
Igor Folwill erprobt die Idee nun in Bremerhaven, nutzt Friedrichs deutsche Textbearbeitung und verschärft das Außenseitertum des Titelhelden: Er gesellt ihm einen Doppelgänger auf der Vorderbühne zu, der, in Zwangsjacke, offenbar in eine Nervenheilanstalt verfrachtet wurde, wo er nun damit beschäftigt ist, sein Leben Revue passieren zu lassen und seine Erinnerungen aufzuschreiben.
Da ist der Einzug in die Stadt mit ihrer Amüsiergesellschaft, die den spinnerten Weltverbesserer nur verlachen kann, weil sie sein idealistisches Schwärmertum nicht begreift. Da ist die Begegnung mit der Kurtisane Dulcinea, in die der Sonderling sich unsterblich verliebt und der er Verse ...
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