Mao und der Zottel
Glücklicher Kalaf: Er hat nur drei Rätsel zu lösen und darf sich danach am Ziel wähnen. Armer Zuschauer: Er wird in Günter Krämers neuer «Turandot»-Inszenierung mit Rätseln zugeballert und ist am Ende keineswegs aufgeklärt. Unterstellen wir mal, dass sich Krämer vieles genau überlegt hat. Doch ächzt diese Aufführung bis zum Schluss unter der Fülle ungelöst bleibender Denksportaufgaben; etwa wenn die tote Liù aufersteht und mit den anderen handelnden Personen, wie Ahasver zur ewigen Wanderschaft verdammt, im Kreis umherzieht.
Turandot als immer wiederkehrendes Rätsel?
Krämer verzichtet auf einen der nachkomponierten Schlüsse und lässt «Turandot» mit Liùs Tod im Sinne Toscaninis und der Uraufführung enden. Das heißt, die später hinzukomponierte Liebeserfüllung bleibt Kalaf und Turandot versagt. Daher – wirklich deswegen? – verlegt Krämer die Rätselfragenszene in ein großes Bett und antizipiert somit, was in der Original-Puccini-Fassung nicht (mehr) zum Tragen kommt. Doch Erfüllung sieht wohl anders aus. Turandot nimmt das erste Rätsel beschwipst mit einem Drink in der Hand zur Kenntnis, beim zweiten ist sie dem Selbstmord nahe, beim dritten bleibt sie regungslos. Krämer, der ...
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Wenn Levine die Keule auspackt, steht das Orchester stramm. Wenn gegen Ende des Prologs und vor Eintritt in die erste Tür Béla Bartók kurze, knackige Crescendi fordert, wenn hier das bange Ende von «Blaubarts Burg» im Zeitraffer vorweggenommen wird, hält die Neuaufnahme mit den Münchner Philharmonikern treffliche Momente bereit.
Auch wenn bei der «siebten Tür» das...
Die Welt steht Kopf. Der Escorial eine leere Betonruine mit Fenstern wie hohle Augenlöcher, in der Ecke das gesichtslose Tizian-Porträt Kaiser Karls V. Einmal öffnet sich die Rückwand für eine unheimliche Flussaue, und auch nach der Pause ist die Bühne nur scheinbar im Lot. Wo in der Mitte bewegliche gläserne Hänger ein Zentrum markierten, ist nun ein Guckkasten...
Herr Chailly, im September 2005 treten Sie Ihr Amt als Generalmusikdirektor der Leipziger Oper und Gewandhauskapellmeister an. Leipzig zählt, trotz der unbestrittenen Qualitäten des Orchesters, nicht wirklich zu den führenden Musikmetropolen. Worin besteht für Sie der Reiz?
Leipzig ist nicht irgendeine Stadt, sondern ein Ort mit einer ganz außergewöhnlichen...
