Mao und der Zottel
Glücklicher Kalaf: Er hat nur drei Rätsel zu lösen und darf sich danach am Ziel wähnen. Armer Zuschauer: Er wird in Günter Krämers neuer «Turandot»-Inszenierung mit Rätseln zugeballert und ist am Ende keineswegs aufgeklärt. Unterstellen wir mal, dass sich Krämer vieles genau überlegt hat. Doch ächzt diese Aufführung bis zum Schluss unter der Fülle ungelöst bleibender Denksportaufgaben; etwa wenn die tote Liù aufersteht und mit den anderen handelnden Personen, wie Ahasver zur ewigen Wanderschaft verdammt, im Kreis umherzieht.
Turandot als immer wiederkehrendes Rätsel?
Krämer verzichtet auf einen der nachkomponierten Schlüsse und lässt «Turandot» mit Liùs Tod im Sinne Toscaninis und der Uraufführung enden. Das heißt, die später hinzukomponierte Liebeserfüllung bleibt Kalaf und Turandot versagt. Daher – wirklich deswegen? – verlegt Krämer die Rätselfragenszene in ein großes Bett und antizipiert somit, was in der Original-Puccini-Fassung nicht (mehr) zum Tragen kommt. Doch Erfüllung sieht wohl anders aus. Turandot nimmt das erste Rätsel beschwipst mit einem Drink in der Hand zur Kenntnis, beim zweiten ist sie dem Selbstmord nahe, beim dritten bleibt sie regungslos. Krämer, der ...
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