Magischer Mischklang, kämpfende Stimmen
Zügig steigen die Streicher von jenem lange zu haltenden As empor, das Urgrund und Fluchtpunkt des Wagner’schen Gralsmythos ist. Nicht eilend oder forsch, aber doch bestimmt, als hätten sie das Ziel, die in der Formel «Erlösung dem Erlöser» gipfelnde Schlussapotheose des «Parsifal» bereits im Vorspiel zum ersten Akt klar vor Augen.
Erst auf dem letzten Ton des zweiten Takts, genau an der Stelle, wo die Oktave komplett vermessen ist, wo die stetig in Forte-Regionen anschwellende Unisono-Linie um eine kleine Sekunde fällt und die harmonische Reibungshitze steigt, stockt die drängende Bewegung, staut Christian Thielemann den Fluss. In diesem Moment wird das, was James Levine, der wohl inbrünstigste Exeget des für den mystischen Abgrund zu Bayreuth maßgeschneiderten Bühnenweihfestspiels, einmal «die Magie dieses Anfangs» genannt hat, zum Ereignis. Ein Ereignis freilich, das seine suggestive Kraft weder aus rauschhaftem Pathos noch aus demonstrativer Distanz bezieht.
Bringt man die Tempi in Anschlag, die Thielemann wählte, als er im Juni vergangenen Jahres eine «Parsifal»-Serie an der Wiener Staatsoper dirigierte (die Basis der von der Deutschen Grammophon jetzt veröffentlichten ...
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