Magisch realistisch

Rimsky-Korsakows «Kitesch» in der Amsterdamer Produktion von Dmitri Tcherniakov auf DVD

Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks Motto, nach dem in jeder Kreatur ein Funken Gottes steckt, lässt sich durchaus auf Rimskys so atheistisches wie ­inbrünstiges Glaubensmodell beziehen.

Vor allem setzt Janácek auf jene Mischung von Realismus, epischer Dramaturgie und poetischer Überhöhung, die auch «Kitesch» kennzeichnet. Ganz abgesehen davon, dass Rimskys Stück den pantheistischen Sog des «Schlauen Füchsleins» vorwegnimmt: die Mischung aus musikalischer Naturmalerei und hypnotisierender Hymnik.

Solche Vergleiche sind natürlich müßig. «Kitesch» steht als autonomes Meisterwerk für sich. Sie helfen allerdings, die szenische Herausforderung zu verstehen, die sich damit verbindet. «Kitesch» spielt buchstäblich im Diesseits und im Jenseits; ein Stück über Krieg und mentale Verwüstung, aber auch eines aus dem Geist des Märchens und ekstatischer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2014
Rubrik: DVD des Monats, Seite 27
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Wolkenklang

Noch ein weiteres Album, dann ist die Schubert-Edition geschafft. Nicht auf enzyklopädische Vollständigkeit zielt Matthias Goer­ne bei seinem Großprojekt: Es ist eine sehr persönliche Auswahl, die Lieder zu dramaturgisch sinnvollen Großeinheiten verbindet. Auch auf dem Doppel-Album «Wanderers Nachtlied», der vorletzten Folge, wird ohrenfällig, wo Goernes Stärken...

TV-Klassiktipps

arte

1.6. – 18.30 Uhr
3./10.6. – 5.15 Uhr
Wiener Walzer.
Wien 2011. The Philharmonics. Walzer von Johann Strauß Sohn.

1.6. – 23.45 Uhr
6./12.6. – 5.05 Uhr
18.6. – 5.00 Uhr
Hommage an Schumann.
Festival d’Aix-en-Provence 2010.

2.6. – 5.05 Uhr
Spuren ins Nichts.
Film von Eric Schulz über den Dirigenten Carlos Kleiber. Mit Brigitte Fassbaender, Veronika Kleiber, Plácido...

Drama, Metatheater, Kabarett

Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Diese «Meistersinger von Nürnberg» begannen mit einer musikalischen Enttäuschung, dafür mit einem szenischen Hingucker. Wie sich der Karlsruher GMD Justin Brown durch das Vorspiel ackert, die Badische Staatskapelle sich durch die Noten arbeitet: Das klingt schwerfällig, gepanzert, behäbig. Die quickeren, lustspielhafteren...