Magisch realistisch
Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks Motto, nach dem in jeder Kreatur ein Funken Gottes steckt, lässt sich durchaus auf Rimskys so atheistisches wie inbrünstiges Glaubensmodell beziehen.
Vor allem setzt Janácek auf jene Mischung von Realismus, epischer Dramaturgie und poetischer Überhöhung, die auch «Kitesch» kennzeichnet. Ganz abgesehen davon, dass Rimskys Stück den pantheistischen Sog des «Schlauen Füchsleins» vorwegnimmt: die Mischung aus musikalischer Naturmalerei und hypnotisierender Hymnik.
Solche Vergleiche sind natürlich müßig. «Kitesch» steht als autonomes Meisterwerk für sich. Sie helfen allerdings, die szenische Herausforderung zu verstehen, die sich damit verbindet. «Kitesch» spielt buchstäblich im Diesseits und im Jenseits; ein Stück über Krieg und mentale Verwüstung, aber auch eines aus dem Geist des Märchens und ekstatischer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2014
Rubrik: DVD des Monats, Seite 27
von Stephan Mösch
Es war eine schöne, aufregende Zeit: Ich gehörte nun richtig zu einem andauernd Musik produzierenden Betrieb, konnte Opernproben und -aufführungen besuchen, so viel ich wollte. In der Kantine unterhielt ich mich mit Orchestermusikern und ließ mich über Ventile, Griffe, Bogen- und Atemtechniken belehren, dankbar für jeden Rat, jede neue Lektion.» 1950 wurde der...
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Diese «Meistersinger von Nürnberg» begannen mit einer musikalischen Enttäuschung, dafür mit einem szenischen Hingucker. Wie sich der Karlsruher GMD Justin Brown durch das Vorspiel ackert, die Badische Staatskapelle sich durch die Noten arbeitet: Das klingt schwerfällig, gepanzert, behäbig. Die quickeren, lustspielhafteren...
Herr Köhler, Sie werden Ihren Intendantenvertrag an der Oper Halle 2016 auslaufen lassen. Warum wollen Sie Ihr «Heimathaus» nach drei Jahrzehnten verlassen?
Weil ich die Kahlschlagpolitik der Landesregierung nicht mittragen kann. Als sich im Frühjahr 2013 abzeichnete, dass in Dessau, Eisleben und Halle die Theateretats drastisch zusammengestrichen werden sollen,...
