Magisch realistisch
Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks Motto, nach dem in jeder Kreatur ein Funken Gottes steckt, lässt sich durchaus auf Rimskys so atheistisches wie inbrünstiges Glaubensmodell beziehen.
Vor allem setzt Janácek auf jene Mischung von Realismus, epischer Dramaturgie und poetischer Überhöhung, die auch «Kitesch» kennzeichnet. Ganz abgesehen davon, dass Rimskys Stück den pantheistischen Sog des «Schlauen Füchsleins» vorwegnimmt: die Mischung aus musikalischer Naturmalerei und hypnotisierender Hymnik.
Solche Vergleiche sind natürlich müßig. «Kitesch» steht als autonomes Meisterwerk für sich. Sie helfen allerdings, die szenische Herausforderung zu verstehen, die sich damit verbindet. «Kitesch» spielt buchstäblich im Diesseits und im Jenseits; ein Stück über Krieg und mentale Verwüstung, aber auch eines aus dem Geist des Märchens und ekstatischer ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: DVD des Monats, Seite 27
von Stephan Mösch
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und...
Impressum
55. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752268
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 12.05.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Vom Finale der «Ariadne»-Oper hatte Hugo von Hofmannsthal klare Vorstellungen – als «wahrhaftiges Geheimnis» wollte er die Vereinigung Ariadnes mit Bacchus auf der Bühne sehen. Mit dem Eintritt des Gottes in die von Zerbinettas Commedia-Truppe immer wieder aufgemischte Tragödienwelt der kretischen Königstochter müssten alle «puppenhaften Kulissen verschwunden...
