Märchenpost aus Russland

Wiederaufnahme von Glinkas „Ruslan und Ludmila“ in Bielefeld

Zu den schmissigen Klängen der Ouvertüre schwebt vom Bühnenhimmel eine überdimensionale Wodkakiste auf die ansonsten nackte Bühne nieder – Märchenpost aus Russland, aus deren sich öffnenden Seitenflächen die fantasievoll-farbenprächtig kostümierten Gäste der Hochzeitsfeier von Ruslan und Ludmila strömen. Was das Regie- und Ausstattungsteam mit diesem vom Premierenpublikum spontan akklamierten Coup versprach, hat es gehalten.

Glinkas allzu selten auf deutschen Bühnen auftauchende fantastische Oper mischt (wie schon Puschkins als Textvorlage dienende Verserzählung) die heiter-tragische Märchenwelt durch einen kräftigen Schuss Ironie auf. Schlag auf Schlag präsentiert die rotierende, mal sich schließende, dann wieder sich öffnende Riesenkiste in immer neuen optischen Facetten die episodisch aneinandergereihten Szenen. Regisseur Nicholas Broadhurst und das Bühnen- und Kostümbildnerpaar Timo Dentler/ Okarina Peter haben bei ihrer szenischen Umsetzung genau auf Glinka gehört, der die klassizistische Ausgewogenheit seiner westlichen Vorbilder durch Anklänge an die russische wie orientalische Folklore aufbricht und das Ganze mit einer instrumentalen Klangfarbenkunst aufmischt, die selbst ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nackte Wahrheit

Nachträgliche Millionenkürzungen des aktuellen Etats, die politisch motivierte Drohung, eine kommissarische Verwaltung zu installieren (mit Streikwarnungen aus allen Gewerken): In die gerade erst angebrochene Morgenröte der römischen Oper haben sich schon wieder düstere Wolken geschoben. Gerade ist dort die zweite Doppelpremiere der Spielzeit «in scena» gegangen....

Barock, Jazz, Avantgarde

Seit in den amerikanischen Südstaaten die ersten field hollers auftauchten und schwarze Arbeiter sich mit improvisierten work songs den Frust von der Seele sangen, sind Blues und Jazz von der Musikweltkarte nicht mehr wegzudenken. Ein Pionier der neuen Gattung, der Ragtime-Erfinder Scott Joplin, schrieb bereits 1915 eine dreiaktige Oper («Treemonisha»), die ihre...

Hindemith: Cardillac

«Celebrities» hieß eine Berliner Ausstellung im Hamburger Bahnhof, die Andy Warhol und seinen Stars huldigte. Gleichzeitig analysierte man dort den «Kult des Künstlers», eines allmächtigen «Schöpfers», in dessen Seele Gespenster oder Teufel hausen können. «Reliquien vom Künstlergott haben zu wollen», so der Berliner Museumschef Peter-Klaus Schuster, «das treibt den...