Männer unter Hormonstress

Donizetti: La Favorite München / Bayerische Staatsoper

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Das Einfachste wäre streichen. Also amputieren, was den meisten Gattungsvertretern der Grand Opéra passiert, die in jüngster Zeit verstärkt die Spielpläne bereichern. In der Münchner «Favoritin» hingegen bleibt die oft ungeliebte Ballettmusik verschont, wir erleben Körpergymnastik der besonderen Art. König Alphonse und Mätresse Léonor sitzen nebeneinander – im Kino. Der Widerschein des Leinwandflimmerns ist auf ihren Gesichtern und Körpern zu sehen.

Er, das große Machokind, steigert sich bis zur Schießbewegung hinein (ein Western?), sie lässt sich anfangs das Kuscheln gefallen, um bald genervt die Augen zu verdrehen.

Ein zehnminütiges Scherzo, das viel sagt über diese krisenbehaftete Zweisamkeit. Und manchmal sind in dieser Aufführung die Zeichen noch kleiner, noch subtiler, vielleicht auch ab Reihe zehn nicht mehr gut wahrnehmbar. Mit ihrer Donizetti-Inszenierung knüpft Amélie Niermeyer an jene Zeit an, als an der Bayerischen Staatsoper psychologisch durchgeformte Charaktere wichtiger waren als rahmende Kulinarik. Vielleicht lassen sich damit die Buhs eines mittlerweile anders konditionierten Publikums erklären. Langeweile, wie mancher der Produktion vorwarf, herrscht hier nicht – ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Markus Thiel

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