Luxuriös fehlbesetzt
Covent Gardens neuer «Ballo in maschera» ist eine Mogelpackung. Oder, netter gesagt, ein gescheitertes Experiment. Auf dem Papier liest sich das noch viel versprechend, allerdings auch da nur auf den ersten Blick. Die Hauptpartien sind mit Karita Mattila, Marcelo Alvarez und Thomas Hampson luxuriös besetzt, alle drei geben ihr Rollendebüt. Und alle drei wären besser beraten gewesen, gerade diese Rollen nicht zu singen.
Alvarez liefert eine light-Version des Riccardo, die Partie ist zu schwer, zu dramatisch für ihn.
Natürlich kommt er durch, natürlich geht das ohne Peinlichkeiten, und – denken wir nicht an bedeutende Interpreten dieser Figur – schlägt er sich achtbar. Doch ist es, als ob sich Belmonte plötzlich am Siegmund versuchte. Ein bisschen. Dabei liegt Alvarez mit seinem Drang zu dramatischeren Partien ganz im Trend: Auch Rolando Villazon, Ramon Vargas, Marcello Giordano arbeiten fleißig daran, die Fixierung aufs Lyrische loszuwerden und sich schwerere Töne auf die Stimmbänder zu legen. Mit unüberhörbaren gar nicht schönen Folgen.
Thomas Hampson macht große Kunst als Renato, das heißt, eigentlich macht er zu viel Kunst. Er spielt mit dem Text wie keiner an diesem Abend, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er weiß offenbar genau, mit welcher Marketing-Strategie man sich heutzutage gut verkauft: ein bisschen chinesische Tradition (aber eher in Form netter, leicht konsumierbarer Chinoiserien und Kantilenen voll von kitschnahem Wohllaut), dazu eine gute Prise avantgardistisch anmutender Geräusche, von plätscherndem Wasser über raschelnde Papierbahnen bis hin zu...
Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...
Es hätte ein aufwühlendes Stück Musiktheater werden können: die Geschichte eines infolge einer Hirnschädigung im frühen Kindesalter geistig zurückgebliebenen Mannes, der sich, so der Titel der Fallstudie des Neurologen Oliver Sacks, als «ein wandelndes Musiklexikon» erweist. Mit dem Tod der Eltern beginnt der Abstieg des bis dato behüteten Mannes, der schließlich...
