Luftgymnastik

Berg: Lulu
Ulm | Theater

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Die Dame trägt Rot. Lang an ihrem schmal-schlanken Körper herabfließendes, samtenes Rot. Steht ihr gut, wo sie doch jetzt die (attraktive) Gattin eines (einfluss-)reichen Mannes ist, nicht mehr nur Bild für die anderen. Also spielt Lulu, die seit Menschengedenken diesen Namen nicht mehr trägt, die ihr zugedachte Rolle, spielt sie mit versuchter Würde. So ganz klappen will das aber nicht, die Vergangenheit nagt unverhohlen an ihr, hat sich in ihren Poren eingenistet wie ein Menetekel. Oder wie ein Kainsmal. Lulu bleibt die umittelbar-erotische Versuchung, unglückbringende Verheißung.

Bis hierhin ist alles gut und richtig in Matthias Kaisers Inszenierung. Aber genau das ist das Problem. Es ist alles nur richtig. Nie kühn oder verwegen. Oder anders. Verstörend. Irritierend, inspirierend. Seine Lulu kennen wir bereits, sie entlockt uns kein Staunen mehr, wie auch Bergs Partitur von Timo Handschuh und dem Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm lediglich referiert und nicht nach Zwischentönen, nach verborgenen psychischen Deformationen durchsucht wird. Das Stück, hier tritt es uns entgegen als ein beinahe aalglattes, mit Konventionen der Ironie getünchtes Gesellschaftsstück, ohne ...

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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Jürgen Otten

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