Hohe Kunst

Tatjana Gürbaca blickt an der Oper Zürich in «Le Grand Macabre» hinter die Klamauk-Fassaden der Protagonisten, Tito Ceccherini schafft Raum für ein genaueres Hineinhören in György Ligetis meisterliche Partitur

Kaum sind die Lichter im Saal erloschen, platzen sie aus dem Nichts hervor: die Autohupen, die krass klingen, aber in Rede und Gegenrede ein artiges Ensemble bilden. Der fulminante Einstieg mitsamt seiner Fortsetzung, mit dem Röhren der tiefen Blechbläser und des Kontrafagotts, mit dem Auftritt des dauerbesoffenen Piet vom Fass (Alexander Kaimbacher) und mit der vor nichts zurückschreckenden Fäkalsprache – es ist immer wieder eine Gaudi. Ihren Pfeffer hat diese allerdings verloren.

Die zwei amüsante Stunden lang ausgelebte Unanständigkeit von György Ligetis «Le Grand Macabre» aus den Jahren 1974 bis 1977 hat längst Züge hoher Kunst angenommen – und wenn das Stück an einem respektablen Ort wie dem Opernhaus Zürich zur Aufführung kommt, wird die Domestizierung erst so richtig spürbar.

Das muss nicht unbedingt so sein. Vor gut zwei Jahren wurde «Le Grand Macabre» vom Luzerner Theater in einer Weise realisiert, die durchaus etwas von der ursprünglichen Sprengkraft des Werks lebendig werden ließ. Ligetis Oper schwappte damals über alles hinaus: aus dem Orchestergraben in die Proszeniumslogen und auf die Bühne, von dort in den Zuschauerraum. Der engen Verhältnisse im Stadttheater Luzern ...

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Opernwelt März 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Hagmann