Leeranzeige
Die Offenbach’sche Operette, so Karl Kraus, sei die Apotheose «einer verantwortungslosen Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt». Kraus konnte nicht mit Armin Petras rechnen, der «Orpheus in der Unterwelt» mit einem Einfall rahmt, der der beißenden Satire auf die Bourgeoisie im Kaiserreich des dritten Napoléon die Zähne zieht, bevor sie noch recht begonnen hat.
Stummfilmszenen – Petras datiert sie auf 1871, das Jahr der Pariser Commune – dichten Eurydike eine Vergangenheit als Fabrikarbeiterin an, aus der sie der Musikprofessor Orpheus befreit. Später entflieht sie aus ihrer Ehelangweile zum Untergrundchef Pluto. Anders als Frank Castorf in seiner «Faust»-Inszenierung (siehe OW 12/2016), die die Multiperspektive kontrastierender Zeiten und Bildwelten bis zum Schluss virtuos durchhält, schlägt Petras aus Eurydikes Emanzipationsgeschichte keine Funken, sondern vergisst sie sofort wieder und gibt sich mit einem Spiel zufrieden, das, je länger der Abend dauert, sich desto öder als biedere Ausstattungsklamotte entpuppt.
Ironie, Doppelbödigkeit, Sarkasmus, all die funkelnden Perlen von Offenbachs Humor und seiner Musik, die ...
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Der Applaus vom Band brandet noch vor dem ersten Akkord auf und wiederholt sich, während die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, in einer Endlosschleife. Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung beginnt mit dem Ende der Oper. Der letzte Vorhang ist bereits gefallen. Hinter den Kulissen verharrt die Darstellerin der Tosca im blutbefleckten weißen Kleid neben der Leiche...
Es war einmal eine Zeit, in den langen Jahren unter Helmut dem Zweiten, da war der Blick auf die Weltläufte von Gewissheiten geprägt. Zumal in Deutschland war jedem unter uns Nachgeborenen sonnenklar, wie er sich 1933 verhalten hätte: im besseren Wissen um das Richtige und das Falsche. Und damit auch die Rotkäppchen unter den Opernbesuchern nicht lange...
Er kam, dirigierte – und siegte. 22 Jahre jung war der Sohn eines Schusters aus dem nordfranzösischen Waziers, als er 1946 sein Debüt an der Opéra de Marseille gab, mit Lalos «Le Roi d’Ys». Ein König wurde Georges Prêtre dann selbst, doch nicht als Komponist, wie ursprünglich erträumt, sondern als Dirigent. Von Marseille führte ihn der Weg an die Pariser...
