Last des Schicksals

New York, Adams: Doktor Atomic

Das Ende gehört den Opfern. Während das Opernvolk auf der Bühne mit seinen schwarzgläsernen Schutzbrillen noch ganz im Bann der ersten Testzündung der Atombombe verharrt, setzen die letzten Minuten des «Doctor Atomic» zum Sprung durch Zeit und Raum an. Nur die zaghafte Stimme einer Japanerin, die für ihr Kind um ein Glas Wasser bittet, klingt aus den Lautsprechern der Metropolitan Opera – als habe die Musik im Angesicht der Katastrophe von Hiroshima ihren Anspruch aufgegeben, das menschliche Leid überhaupt noch darstellen zu können.


 Wie schon bei der Uraufführung vor drei Jahren in San Francisco verharrt auch das New Yorker Publikum nach dem Verklingen dieser beklemmend lapidaren Sätze noch minutenlang schweigend auf den Plätzen – der wohl deutlichste Beweis, dass die Botschaft von John Adams angekommen ist. Eine nahezu unlösbare Aufgabe hatte sich Amerikas größter Komponist mit seiner fünften Oper gestellt und den Blick auf jenen Punkt der Geschichte fokussiert, an dem die Zerstörung der Erde zum ersten Mal zu einer realen Zukunftsoption wurde. Fast unlösbar auch deshalb, weil es keine Heroen oder weltbewegenden Tyrannen sind, die den Anbruch dieser Epoche in der Wüste von Los ...

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Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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