Lange nicht gelüftet
Im Internet liest sich das alles vielversprechend. Die Frage habe ihn immer fasziniert, schreibt Csaba Káel, der Regisseur von Carl Goldmarks «Königin von Saba» an der Budapester Staatsoper im Erkel-Theater, was geschehe, «wenn voneinander abweichende Kulturen bzw. deren Vertreter aufeinander treffen ...» Seit Ungarns prekärer Rolle in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise hat sich eine solche Fragestellung zweifellos noch verschärft. Doch zum einen schrieb Káel dies, als es noch kaum Anzeichen des in diesem Herbst plötzlich über Europa hereinbrechenden Flüchtlingstrecks gab.
Zum anderen schiebt der Regisseur die Antwort auf die oben gestellte Frage mit dem Satz, «das beste, friedlichste und zugleich wirksamste Mittel des Gedankenaustauschs, der Diskussion ist die Kunst» in die Ecke des Artisanats, nämlich in die des Fin de Siècle. «Uns fasziniert immer noch ein Jugendstil-Lüster oder ein Möbelstück, das Merkmale des orientalischen Stils enthält und dabei die Formkultur der Zeit wahrt ...» Und so gefällt sich seine Inszenierung denn auch im vordergründig Dekorativen, als Konzert im Jugendstil-Kostüm.
Goldmarks zwischen Meyerbeer und Wagner changierende Erstlingsoper wurde 1875, vor 140 ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Persché
Das Streichersextett spielt die ersten Akkorde, da zerreißt ein Heulton den kammermusikalischen Wohlklang. Fliegeralarm, wie üblich. Die Musiker tragen ihre Geigen und Celli gelassen Richtung Bunker, der Hausdiener klappt routiniert den Deckel des Spinetts zu und wartet die Bomben ab. Wir befinden uns im Jahr 1942, zur Zeit der Uraufführung von Richard Strauss’...
Die witzig verspielte Inszenierung von Richard Strauss’«Ariadne auf Naxos», die der deutsche Regisseur Aron Stiehl 2013 im Theater St. Gallen vorgestellt hat, ist in bester Erinnerung. Seine jüngste Arbeit in diesem Haus, sie gilt Giuseppe Verdis «Macbeth» in der auf Italienisch gegebenen Pariser Fassung von 1865, hält diese Höhe nicht; vor allem in der...
Alessandro Stradellas «La Doriclea» hat eine recht bewegte Geschichte hinter sich. Der Dreiakter wurde erst 1938 von dem Rieter Organisten Mario Tiberti entdeckt – und galt nach dem Zweiten Weltkrieg schon wieder als verschollen. Trotzdem gab es 2004 im Rahmen eines Festivals bei Siena ein konzertantes Revival auf Grundlage einer Transkription, die Tiberti einst...
