Läuterung durch Musik
Karlheinz Stockhausens Zyklus «Licht», sieben Opern mit einer Gesamtspieldauer von 28 Stunden, ist ein Ausnahmewerk, ein kühnes Projekt, das die künstlerischen Bedingtheiten der Gattung Oper in Frage stellt, ja sogar sprengt. Die beispiellose Komplexität der Werke von Karlheinz Stockhausen birgt in sich eine Herausforderung, sie stellt ein Opernhaus und die mitwirkenden Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten vor völlig neue Aufgaben, erfordert ein Nachdenken über neue, der bisherigen Musiktheaterpraxis unbekannte Aufführungsarten und Spielorte.
Stockhausens Opernpartituren sind fundamental anders zu befragen, anders zu inszenieren als die von Mozart oder Verdi, um nur zwei große Dramatiker der Gattung zu nennen, anders auch als die Wagners mit ihren weiten leitmotivisch durchdrungenen Klangräumen. Stockhausen distanziert sich nicht nur von durchgehenden Handlungszusammenhängen, sondern auch von dramaturgisch klar identifizierbaren Konstellationen handelnder Personen. Das Prinzip der Zuordnung einer Rolle zu einem Darsteller ist grundsätzlich in Frage gestellt, denn die Hauptfiguren artikulieren sich als personelle Dreiheit von Stimme, Instrument und Körper, in deren Anlage ...
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Anna Netrebko ist ganz genau, wenn es um die große Arie der Traviata geht. Sechzehntelpausen des «Ah fors‘è lui» dort, wo sie stehen, die Legatobögen, Akzente und dynamischen Stufen ebenfalls. Keine «Interpretation» versucht diese Aufnahme, sondern eine schlichte Ausführung des Notentextes. Maria Callas war da, ein halbes Jahrhundert vorher, freizügiger. Was sie...
Was deutsch und echt, scheint manchem Engländer noch immer verdächtig. Vor allem die «Tabloids», die Boulevardzeitungen, lassen kaum eine Gelegenheit aus, den Teutonen verbal eins aufs Haupt zu geben, sei’s beim Fußball, sei’s gar beim bayerischen Papst. Die respektlos-flapsige Headline der «Sun», «From Hitler youth to Papa Ratzi», hat in Deutschland böses Blut...
Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...
