Laborkitsch
In den 1990er-Jahren flutete die emblematisch unter ihrem Vornamen bekannte Isländerin Björk Guðmundsdóttir den westlichen Pop mit weltmusikalischen Spährenklängen. Eine große Sängerin ohne Schmelzstimme, ein Stilmodel ohne kurvige Ausstrahlung – und in summa bedeutender, als es die Fragilität dieser Frau suggeriert. Björk: charismatisch-ungreifbar, ein Phänomen, oszillierend zwischen Pop, Kunstgewerbe und Avantgarde. 2001 brachte sie ihr Album «Vespertine» heraus.
Das Magazin «Rolling Stone» japste: «Das beste Solo-Album ihrer Karriere», obwohl sie immer noch singe wie ein «in Arrest genommenes Schulmädchen», mit einem «vokalen Regenbogen fragilen Zwitscherns, in flehendem Falsett».
Dieses Album setzt mit knapp 56 Minuten Laufzeit und 12 Tracks Maßstäbe einer vibrierenden Zeitgenossenschaft – und wirkt zugleich der Zeit enthoben. Noch heute hat das Frische, weil hier eine Stimme bekenntnishaft in der ersten Person Singular zu hören ist. Am Abend des 11. September 2001 trat Björk trotz der Ereignisse in New York mit der «Vespertine»-Produktion in Stuttgart vors Publikum. Es muss ein gespenstischer Abend gewesen sein, denn die Kernbotschaft des präsentierten Werks kollidierte mit ...
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