La Voix humaine
Der «Lear» machte ihn 1978 schnell berühmt. Nicht nur durch die Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper: Es waren kleinere Häuser wie Düsseldorf, Nürnberg und Oldenburg, in denen diese Oper sofort fesselte. Nahezu haptisch greifbare Cluster, Akkordwände, die scharf kontrastieren zu äußerster melodischer Verdichtung, Einsamkeit, Innigkeit: Aribert Reimann schrieb Musik einer Gegenwart, die sich sinnlich erfahren ließ, weil sie den Begriff des Erzählens weit und flexibel fasste.
In mehr als 30 Produktionen, zuletzt Anfang des Jahres an der Staatsoper Hannover, ist der «Lear» inzwischen weltweit gespielt worden.
Aribert Reimann mit dem «Lear» zu identifizieren, greift dennoch zu kurz. Mit jedem Werk entwickelte er eine elaborierte Eigensprache, einen spezifischen Duktus, eine besondere Grammatik. In «Bernarda Albas Haus» nach García Lorca zum Beispiel gruppiert sich eine überschaubare Anzahl von Musikerinnen und Musikern um vier, zum Teil präparierte Flügel: Zwölf Celli gehören dazu, solistisch besetzte Holz- und Blechbläser, keine Geigen, keine Bratschen. Auf ein sperriges Klangbild läuft das hinaus, auf archaische Wirkungen, die die absurde Situation von jungen Frauen einfangen, ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: In Erinnerung, Seite 68
von Stephan Mösch
Hommage aux Hellènes» setzte der heute kaum noch bekannte Michel Pichat als Motto über seine fünfaktige Tragödie «Léonidas», die – mit dem großen Schauspieler Talma in der Titelrolle – ihre spektakuläre Premiere im November 1825 am Théâ-tre-français hatte. Da stand die Begeisterung für den Freiheitskampf der Griechen auf ihrem Kulminationspunkt. Als in den...
Lully und sein Librettist Philippe Quinault haben die Tragédie en musique 1673 erfunden, um der klas -sischen Tragödie ihrer Zeitgenossen Corneille und Racine ein gesungenes Drama zur Seite zu stellen. 14 Werke dieser Gattung entstanden bis zu Lullys frühem Tod 1687. Keine war radikaler als «Atys», die den Titel «Königsoper» trägt, weil sie die besondere...
Schön soll sie gewesen sein. Viel mehr Positives findet sich in den «Annalen» des römischen Geschichtsschreibers Tacitus nicht über Poppaea, jene Frau, in die der römische Kaiser Nero so verliebt war, dass er dafür sowohl seine Mutter als auch die ins Exil entwichene Ehefrau ermorden ließ. Dass Claudio Monteverdi ausgerechnet diesem grausamen Paar eines der...
