Kugelgestalt der Zeit

Amorphe Mixturen und ein Blick in den Siebten Himmel: neue Opern in Wien

Opernwelt - Logo

Die Kugelgestalt der Zeit, das Über-, Mit- und Durch­einander von (Vor-)Gestern und Morgen: Wäre das ein Konzept für die Oper der Zukunft? Christoph Cech suchte dieses Prinzip bei der Neuen Oper Wien an «Orfeo» zu realisieren. Seine Schöpfung geriert sich als Palimpsest, das Spuren von Monteverdi mit zeitgenössischen Mitteln überschreibt. Vom Cremoneser Altmeis­ter blieben Ablauf und Texte sowie ein Großteil der ­Ge­sangsstruktur.

Cech steuerte heutige Perspektiven sowie ein avanciertes Instrumentarium bei, darunter Synthesizer, E-Bass und E-Gitarre – letztere als modernes Äquivalent zu Orpheus’ Lyra.
Herausgekommen ist eine etwas amorphe Mixtur von Seicento, Third Stream und Postmoderne, die jedoch vom Dirigenten Walter Kobéra und dem «amadeus ensemble» bei dieser Uraufführung in einer ehema­ligen Straßenbahnremise subtil verwaltet wird. Auch die Sänger sind Cechs engagierte Advokaten, voran der weiß timbrierte, aber flexible Alexander Kaimbacher in der Titelpartie. Der Schluss verbindet den antiken Mythos, die Zerfleischung des Orpheus durch die Bacchantinnen, mit Monteverdis Lieto fine: Der Sänger wird durch Apoll zum Gott erhöht, und zwar aus dem Off. Carlos Wagners über weite ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: magazin, Seite 20
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Von der Braut zur Königin

Die mittlerweile 79-jährige, in Passau lebende Ruth Zechlin hat Henry Purcells nicht vollständig überlieferte und daher auch nicht abendfüllende Oper «Dido and Aeneas» um die bei Vergil überlieferte Vorgeschichte erweitert. Ihre ebenfalls knapp einstündige Kammer­oper nach einem Libretto von Hellmuth Matiasek rollt das Geschehen als Rückblende auf: Elissa verliert...

Seelenmalerei

Johann Sebastian Bach muss ein guter Vater gewesen sein. Obwohl er sich ­intensiv um die musikalische Bildung seiner Söhne kümmerte, scheint diese Früh­erziehung jedoch nie so weit gegangen zu sein, dass sie die individuelle Entwicklung seiner Sprösslinge gefährdet hätte: Während Carl Philipp Emanuel zur prägenden Figur des Sturm und Drang wurde, klingen die Werke...

Exklusive Nummern inklusive

Sie hielt vor allem das 18. Jahrhundert in Atem. Sie verzauberte Komponisten und Lib­rettisten gleich reihenweise. Allein in den letzten drei Jahrzehnten, zwischen 1771 und 1796, sind fünfundzwanzig Vertonungen zu verzeichnen, die ihr huldigen: Andromeda, die Gefesselte und von Perseus Befreite. Der dem Mannheimer Kreis zuge­hörige Cannabich widmete ihr ein...