Kühles Schwärmen
Ambivalente Gefühlswelten der Liebe lotet die französische Sopranistin Sandrine Piau in ihrer neuesten Solo-CD aus, die sie unter dem Titel «Chimère» – (zu deutsch: Hirngespinst, hier vielleicht besser übersetzt mit: schillernde Täuschung) – veröffentlicht hat. Mit ihr beschließt sie ihr Triptychon von Kunstlied-Programmen, das sie – stets an der Seite von Susan Manoff am Klavier – 2007 mit «Évocation» begonnen und 2010 mit «Après un rêve» fortgesetzt hat. Als Sängerin bekannt wurde Piau vor allem mit Auftritten und Einspielungen im Barockrepertoire.
Dass sie eine genuine Liedinterpretin ist, stellt sie mit dieser reizvoll ausgewählten Folge deutscher, französischer und anglo-amerikanischer Lieder erneut unter Beweis. Unter den insgesamt 23 Stücken befinden sich auch zahlreiche Raritäten, so Carl Loewes Vertonung von Gretchens Szene «Ach neige, du Schmerzensreiche» aus Goethes «Faust» oder Lieder des Amerikaners Robert Baksa (*1938) und des auch als Dichter hervorgetretenen Engländers Ivor Gurney (1890-1937), deren Namen nie gehört zu haben keine Schande ist. Dabei handelt es sich gerade bei Gurneys neoklassizistisch strenger Vertonung von John Fletchers Ode an die Nacht «Sleep» ...
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